7. Lehrer für Nazipropaganda

Im Zugangsblock versammelten sich die Insassen der Stuben eins und zwei von morgens 9 bis 12 Uhr, und nachmittags von 3 bis 5 Uhr in der Stube zwei. Hier erhielten sie Belehrungen über die Lagerordnung sowie Unterweisungen über nationalsozialistische Or­ganisationen. Auch die dämlichen Lieder, wie sie die Hitlerjugend ab­brüllte, mußten uns eingepaukt werden. Unser Lehrer war, wie gesagt, Kamerad Schremmer aus München . Vor allem erlernten wir die Er­kennungszeichen der Grade der SS- Formationen vom gewöhnlichen Rottenführer ab bis zum Reichsführer Himmler. Trotz meines sonst guten Gedächtnisses war es mir unmöglich, nach den Sternen, Achsel­zeichen usw. die verschiedenen Scharführer, Sturmbannführer und ähnliche langweilige Bezeichnungen auswendig zu lernen. Und doch mußte ich in den sauren Apfel beißen, da angeblich kein Neuange­kommener in die Freiblocks entlassen werden konnte, ohne das Re­krutenexamen bestanden zu haben. Mit innerem Widerstreben lernte ich auch einige gedankenlose SS - Lieder wie ,, Erika" und ähnlichen Unsinn. Beim Singen machte ich aber nur Lippenbewegungen, da mir übrigens jede musikalische Begabung fehlt. Unser braver Lehrer nahm gottlob das ihm aufgezwungene Lehrerhandwerk nicht sehr genau, blieb meist nur bei der Anwesenheit der SS - Leute einigermaßen ernst und flocht in seine Vorträge nicht uninteressante ernste und heitere Erzählungen aus seinem Leben ein, wobei er scharf Stellung gegen die Nazis nahm, was mich sehr wunderte. Übrigens wurde wohl nir­gends in Deutschland der Nazionalsozialismus mehr kritisiert und bewitzelt als im Lager, obwohl manche Kameraden der SS Spitzel­dienste leisteten. Derartige erbärmliche Kreaturen waren bald durch­schaut und aus unserer Mitte hinausgeekelt oder hinweggedrängt. Als unser Lehrer für einige Wochen erkrankte, erwählte der Stubenälteste Kopp den Pfarrer Trausch und mich als Lehrerersatz. Mein neues Handwerk machte mir mehr Spaß, als das langweilige Zuhören. Wir stellten Wachtposten aus, die das Herannahen der SS melden sollten. Solange keine Gefahr drohte, erzählte ich meinen Leidensgenossen meist lustige Anekdoten, die zu hunderten in meinem Gedächtnis aufgespeichert waren. Die dankbaren Zuhörer interes­

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