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Mützen ab!" Die paar Mützen wurden blitzschnell heruntergezogen. Muth gab die Zahl der Häftlinge an. Der SS- Mann zählte alle Reihen ab. ,, Es stimmt", knurrte er und verschwand. Das Abzählen hatte knapp drei Minuten gedauert. Dafür mußten über 400 Menschen fast eine Stunde lang in der furchtbaren Kälte stehen und dazu noch unsagbare Grobheiten einstecken. Muth kommandierte: ,, Mützen auf! Rührt Euch!" Nun war ja eigentlich der Appell zu Ende und wir hätten an sich wegtreten können. Aber die blöde Lagerordnung schrieb uns vor, in der Blockstraße stehen zu bleiben, bis alle Kameraden des ganzen Lagers gezählt waren, was oftmals stundenlang dauerte. Das Sprechen war jetzt erlaubt. Muth hatte auch etwas von seiner krankhaften Nervosität verloren. Mit Kopp und Willy spazierte er lachend auf und ab. Wir stampften mit den Füßen, hielten uns mit den Händen die blaugefrorenen Ohren zu und schwatzten miteinander, durften aber die Reihen nicht verlassen. Da trat ein alter Mann, zitternd vor Kälte, zu Muth und sagte eintönig die einstudierte Formel her: ,, Ich bitte den Blockältesten gehorsamst, in die Stube gehen zu dürfen. Mich friert zu sehr." Muth winkte ihm bejahend, und der alte Mann verschwand in der Stube. Bald trat auch Pfarrer Cordonnier vor und bat höflich, aber ohne die dämliche Formel, sich hinter den Ofen setzen zu dürfen. Er habe kalt und könne wegen der geschwollenen Füße nicht mehr länger stehen. Muth schrie so laut, daß sich seine Stimme überschlug: ,, Nein, Saupfaff, du bleibst stehen, auch wenn du krepierst!" Pfarrer Cordonnier bekam einen Stoß und fiel zu Boden. Viele Kameraden murrten. Kopp trat vermittelnd ein. Nun schrie Muth: ,, Na, schleppt das alte Schwein hinter den Ofen. Ich will mal aus(- nahmsweise gnädig sein. Der alte Pfaff müßte eigentlich bestraft werden. Hat dieser elende Schafskopf mir gestern vorgeworfen, ich behandle Menschen wie Tiere. Meint dieses dämliche Hornvieh, ich solle anständigere Redensarten gebrauchen. Ich pfeife auf seine Predigten. Leck mich.... und hau jetzt ab, sonst kriegst du noch eine in die Fresse...." Cordonnier verschwand, ohne eine Silbe Antwort zu geben. Uns ließ dieser elende Bube noch einige Minuten in der Kälte stehen und schrie sodann: ,, Block 15, stillgestanden! Abtreten!" Alle Kameraden stürzten wild durcheinander in die Stuben. Das nannte man Appell.
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