28. Januar 1883 geboren, Geistlicher von Beruf, Volksdeutscher, katholisch, wohnhaft in Duß, gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und des Staates dadurch, daß er sein Amt als Geistlicher dazu mißbraucht, um in geradezu übler und herausfordernder Weise gegen alles Deutsche zu hetzen, erwarten läßt, er werde bei Freilassung sein staatsfeindliches Treiben fortsetzen und die Belange des Reiches schädigen." In Berlin unterzeichnete dieses in blödem Deutsch verfaßte Schriftstück ein gewisser Müller, in Saarburg der sattsam bekannte Kommissar Jung. Der Chef des Berliner Reichssicherheitshauptamtes hat diesmal bei mir ausnahmsweise nicht ge
logen.
Gegen zehn Uhr abends führte man uns vom Bad in den Zugangsblock Nr. 15. Obwohl wir seit zwölf Stunden nichts gegessen hatten, fütterte uns ein Mithäftling nur mit unsagbaren Grobheiten ab. Der rauhborstige Mann war der Blockälteste Nikolaus Muth. Wir beide lagen uns bereits am ersten Abend in den Haaren, da sein loses Mundwerk in obszönen Ausdrücken die SS noch übertraf. Erst auf meine energische Drohung hin, beim Kommandanten Beschwerde einzureichen, änderte er den Ton. Jemand hatte ihm auch ins Ohr geflüstert, ich sei der Bischof von Metz und könnte Ehrenhäftling werden.
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II. Im Zugangsblock Nr. 15
Die vierwöchige Einzelhaft im Saarbrücker Gefängnis, der achttägige Transport über Nürnberg nach Dachau , die tragikomische Empfangsszene seitens der rohen SS, der scharfe Zusammenstoß mit dem Blockältesten Nikolaus Muth sowie der bohrende Hunger nach einem zwanzigstündigen Totalfasten hatten mich am Abend des 16. Dezember 1942 moralisch und körperlich ganz heruntergebracht. Wie ein Haufen Elend stand ich abends nach zehn Uhr in der Stube
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