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lich Wasser für einen Mann. Die älteren Kameraden warfen Müller hinein und stülpten einen Deckel darüber. ,, Der arme Müller wird ertränkt", dachte ich ,,, dann komme ich dran." Im Stillen bereitete ich mich auf den Tod vor. Bald zog man Müller wieder heraus. Wäh­rend ich erleichtert aufatmete und Müller etwas zu schmunzeln ver­suchte, lachten die andern boshaft. Man warf uns Wäsche und Kleider zu. Wenn doch meine Feder die neue Kostümierung beschreiben könnte! Das Hemd erreichte kaum den Unterleib, die Hemdärmel knapp die Ellbogen, der Hals blieb unbedeckt. Keine Unterhose. Und wir schrieben doch den 16. Dezember. Die enge, zerrissene Hose mußte vorn mit Papierschnüren festgebunden werden. Das eine Hosenbein ging bis zum Knie, das andere brachte es nicht so weit, da beim Anziehen ein Stück abriẞ. Und die Weste? Eine Zusammen­setzung von durchlöcherten Fetzen, kein einziger Knopf, auch viel zu eng. Die linke Seite fehlte, mit Ausnahme der Tasche, fast gänzlich. Ich hatte den Eindruck, als ob mir ein Brotbeutel um den Hals ge­hängt wäre. Als wir bessere Kleider bekamen, wurde auf den Rücken der Weste mit roter Farbe ein K und ein L gemalt, später nähte man uns sogar in Kreuzform zwei Lappen Tuch von anderer Farbe auf den Rücken! Dieser spaßige Stempel sollte uns vor der Flucht abschrecken. Wir bekamen keine Kopfbedeckung, keine Strümpfe, keinen Mantel. Als Schuhe dienten Holzsohlen mit einem Stück Segeltuch über den Zehen. Das war eine nette, zigeunermäßige Körperbekleidung! Sollte man weinen oder lachen? Am besten beides zugleich. Wir sahen tragi­komisch aus. Pfarrer Müller glich mit seinem rasierten Kopf und den engen Kleidern einem Hanswurst auf der Bühne. Jeder Häftling be­kam eine Nummer, Pfarrer Müller die Nummer 41 349 und ich bekam Nummer 41 350. Wir mußten unsere Nummern auf die linke Westen­seite und das rechte Hosenbein annähen. Auch kleine Winkel aus Tuch wurden ausgeteilt und unter der Nummer angebracht. Je nach dem Grund der Verhaftung war die Farbe verschieden. Die politischen Gefangenen hatten rote Winkel, die Berufsverbrecher grüne, die Ar­beitsscheuen schwarze, die Bibelforscher violette, die Juden gelbe mit einem Stern, die Homosexuellen rosarote. So waren wir alle öffentlich abgestempelt. Ich bekam die rote Farbe, denn mein Schutzhaftbefehl hatte folgenden Wortlaut: ,, Franz Goldschmitt, in Morsbach am

5 Zeugen des Abendlandes

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