aneinander gelehnt, von morgens früh bis abends spät. Welch ein Glück, wenn manchmal ein Transport abzog!
Bis zur Ankunft von Zugängen konnte man etwas auf- und abgehen. Da waren Menschen jedweden Alters, vieler Nationen und Sprachen, gutgekleidete Männer, Priester in der Soutane, Ordensleute in der Kutte, Zigeuner in Lumpen, auch Vertreter der Verbrecherwelt. Die einen beteten, die anderen fluchten, die meisten schwiegen mit verzerrten Gesichtern und zusammengepreßten Lippen. Jeder achtete uns Priester. Wir waren ja alle Leidensgenossen, wir saßen ja alle, abgesehen von den Verbrechern, wegen unserer Überzeugung auf der Folterbank. Das bildete den Grund des Gefühls der Zusammengehörigkeit, das später in Dachau oftmals vermißt wurde. Von der Nürnberger Turnhalle aus erfolgte die Verteilung der Eingesperrten in die Zuchthäuser und Konzentrationslager. Wohl ein Viertel, wenn nicht noch mehr, waren Todeskandidaten. Kamen doch viele nach Mauthausen , wo die SS Hunderttausende kalten Herzens hingemordet hat. Trost zu spenden hatte keinen Zweck. Man begehrte nur Wasser, Brot und Tabak. Für eine Zigarette zahlte man sechs Mark, für einen Zug daraus eine Mark, für den Stumpen, die Kippe, 50 Pfennig. Mäntel, Leibwäsche, ja schöne Kleider wurden für etwas Brot hingegeben. Auf meine Kritik erfolgte die Antwort: ,, Die Kleider werden ja doch weggestohlen", was durch meine spätere Erfahrung Bestätigung fand. Gegen Abend, welche Hitze im Saal, welche verpestete Luft! Als Abort dienten zwei hohe Eimer, die ohne Vorhang in einer Ecke standen. Tagsüber konnten diese öfters geleert werden, nachts aber waren sie schon vor 12 Uhr angefüllt und liefen über. Die Leute verrichteten ihre Not auf den Boden. Der Gestank benahm einem den Atem. Darüber stetes Schimpfen und Händeln in ganz gemeinen Ausdrücken. Nirgendwo im Leben war ich vom menschlichen Elend so erschüttert wie in Nürnberg . Nur Dachau sollte noch Schlimmeres bringen. Die fünf langen Nächte ohne Schlaf vermag selbst die beste Feder nicht zu schildern. Einige Franzosen boten mir abwechselnd Decken an. Doch lag ich meist auf dem kalten Boden, den Kopf zwi. schen den Beinen oder auf der Brust eines Kameraden. Beim Austreten konnte man unmöglich zu den Dreckeimern gelangen, ohne mit jedem Schritt auf einen Körperteil eines Mitgefangenen zu treten. Da
62


