Sonntag in Oeting gewesen wäre. Pfarrer Müller hätte für mich öffentlich beten lassen. Auch ein Trost.

So waren mir im Saarbrücker Gefängnis drei Müller als Wohl- täter gewesen.

Eines Tages drang eine hohle Stimme in französischer Sprache durch die Mauer zu meinen Ohren:Cure, drehe die Schraube am Heizkörper ab! Es mutete mich wie ein Wunder an. Ein Kamerad der Nachbarzelle und ich redeten nun durch das Rohr wie durch ein Telephon miteinander. Es war ein Itäliener aus Teting. Den Blick auf das Guckloch in der Türe gerichtet, durch welches ein Wärter uns hätte überraschen können, telephonierten wir uns jeden Tag öfters. Allabendlich diktierte er mir den Heeresbericht nach dem englischen Radio. Dies in einem Gefängnis der Gestapo . Die Nachrichten von Stalingrad waren damals gerade hochinteressant. In den Kerkern: haben wir uns, zu schlimmerenBanditen entwickelt, als wir es vorher waren. Ich konnte auch mit einem Franzosen durch das Rohr sprechen, der seine Zelle über mir hatte. Doch dieser telephonische Verkehr mußte bald eingestellt werden, da der Mann zu laut sprach. Er wurde erwischt, verprügelt, und in eine andere Zelle verlegt. Wie jämmerlich hat dieser Kamerad oft laut geschrien:Mama, hilf mir. Ich muß hier sterben. Was ist wohl aus ihm geworden? Auch vielen anderen Leidensgenossen erging es schlechter als mir. Aus manchen Zellen drangen Schmerzensschreie, Hilferufe, Fluchworte, Verwün-. schungen und das Geräusch von Stockschlägen. In einer Nacht weckte mich ein Hin- und Herlaufen. Zwei Aufseher sprangen in eine gegen- überliegende Zelle. Ich lauschte an der Türe und glaubte die Worte zu hören:Schon wieder einer.... Ein bedauernswerter Kamerad hatte wohl Selbstmord verübt. Bei all den körperlichen und seelischen Qualen, ohne Aussicht auf Erlösung, entschuldigt man solche Selbst- morde, ohne sie gutheißen zu können.

3. Auf Transport

Am 8. Dezember 1942, morgens vier Uhr, pochte jemand an meine Gefängniszelle. ‚Aufstehen, ankleiden! Sie verlassen sofort

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