mit Spüleinrichtung. Ein Heizkörper und ein peinlich sauber gewichster Fußboden gaben dem Raum ein beinahe behagliches Aussehen. Eintönig war das Tagesprogramm. Aufstehen um sechs Uhr, Bett machen! Tägliches Aufwaschen des Fußbodens, Gebete, so lang und so gut wie selten im Leben. Man lebte ja in klösterlicher Einsamkeit. Ich wähnte mich bei den Exerzitien im Metzer Priesterseminar. Beim Morgenessen bitteren Kaffee, mittags und abends je ein Liter Suppe, hier und da ein Stückchen Wurst, je einmal in der Woche etwas Marmelade und Fleisch, jeden Tag ein Stück Brot. Täglich nur sechs Stunden Arbeit als Tütenkleber, nachdem ich das Korbflechten abgelehnt hatte. Dazwischen Breviergebet, Bibellesung, Lektüre interessanter Bücher und der Tageszeitung. Auf dem harten Strohsack lag ich von abends neun bis morgens sechs Uhr meist ohne Schlaf. Während der ersten Woche gefiel mir dieses eintönige Leben, aber 71 Tage nacheinander allein wie ein Taubstummer eingepfercht bleiben, ist schier untragbar, bin ich doch sehr gesellig veranlagt. Dutzende Male am Tage stand ich verbotswidrig auf dem Tisch, von wo aus mein Auge durch das Fenster die Sonne, den blauen Himmel und auch einzelne Menschen zu sehen vermochte. Wie lauschte mein Ohr dem Gesang der Vögel, dem Gespräch der Menschen im Hof drunten, wie klopfte mein Herz vor Freude und zugleich voll Wehmut beim Glockengeläute! Oftmaliger Fliegerangriff brachte unheimliche Abwechslung, auch Todesgefahr. Neben dieser drückenden Einsamkeit quälte mich jeden Tag immer mehr der nagende Hunger. Die fettlose Kost führte zur schnellen Abmagerung. Das Gewicht verringerte sich um nahezu 30 Kilo. Mein Bild im Spiegel ließ mich vor mir selber erschrecken, so hatte der Hunger meine Gesichtszüge entstellt. Der Muskelschwund verursachte derartige Schmerzen, daß ich mich krümmte. Besonders stechendes Weh in den Gedärmen, in der Rippengegend und an den Schultergelenken. Mir wurde oft schwarz vor den Augen. Schwindelanfälle beunruhigten mich. Kaum konnte ich stehen, sitzen oder liegen. Hunger, Hunger, welch ein Martyrium!
Lichtstrahlen der Freude brachten aber etwas Linderung. Gebet, hl. Kommunion und die Sonntagsmesse richteten immer wieder auf. Brave Menschen wurden zu Nothelfern. Der Gefängnisgeistliche Schlichter hat mir manche harte Stunde im Gefängnis versüßt. Mein
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