vom Herzen. Die Gestapo wußte gottlob nichts von den vielen Kriegs- gefangenen und lothringischen Rekruten, die von meiner Schwester und von mir in Rech und in Dieuze beherbergt und über die Grenze gebracht worden sind.

Nachdem ich photographiert und mein Fingerabdruck genommen worden war, begleitete mich der Beamte zum Auto, wo zu meinem größten Erstaunen Pfarrer Fabing von Fossieux saß. Wir fuhren nach Saarbrücken . Meine Bitte, man möge einen Umweg über Rech fahren, damit ich meine 82jährige Mutter noch einmal umarmen könne, fand alsdienstwidrig Ablehnung. Trotzdem fuhren wir über Rech. Der Abschied von Mutter und Schwester, von Kirche und Pfarrkindern war herzzerreißend. Wir sahen uns erst am 29. Mai 1945 wieder. Beim letzten Händedruck geriet meine Schwester in solche Wut, daß sie sich mit geballten Fäusten vor den Beamten stellte und laut schrie:Rache nach dem Krieg! Meine Schwester wurde übrigens auch, und zwar am 7. März 1944, eingesperrt, erhielt wegen Beihilfe zur Wehrmacht- entziehung lebenslänglichen Aufenthalt in einem Konzentrationslager und schmachtete in den Gefängnissen von Metz, Sarreguemines und Saarbrücken bis zur Ankunft der Amerikaner. Fabing und mich brachte das Auto ins Gefängnis nach Saarbrücken .

2. Im Saarbrücker Gefängnis

Nachdem sämtliche Habseligkeiten abgegeben waren, wurde mir in grobschnauzigem Tone befohlen, die Soutane gegen blaue Arbeits- kleider umzutauschen. Später durfte ich Privatkleider anlegen. Man stieß mich in eine enge Zelle des Erdgeschosses. Ein winziger Sonnenstrahl eroberte sich mühevoll den Weg durch eine Spalte, den einzigen Fensterersatz. Mein Auge sah nur. den Giebel eines Hauses. Kein Tisch, kein Stuhl, kein Bett, nur ein schmutziger Eimer als Abort- anlage, ein Krug mit Wasser, etwas Stroh am Boden und eine dünne Decke. Die Luft war atemberaubend, kalt. Müde sank mein Kör- per auf das Stroh. Schon nach einigen Minuten riß ein Grobian die Türe auf und schrie:Aufstehen, fauler Pfaff! Hier schläft man nur nachts. Höflich erbat ich meinen Mantel, da ich fröre. Ein höhni-

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