Am Sonntag, dem 31. September 1942, protestierte ich beim Dieuzer Stadtkommissar gegen das Einziehen der lothringischen Rekruten ins deutsche Heer, da wir Franzosen seien. Ich selbst würde auch in keinem Falle die deutsche Nationalität annehmen.
Am Tage darauf besuchte mich ein befreundeter deutscher Unter- offizier der Dieuzer Garnison . Dieser Antinazist wußte, daß ich viele französische Kriegsgefangene über die Grenze gerettet hatte. Er legte mir nahe, mich jetzt selbst sofort durch die Flucht in Sicherheit zu bringen, da meine Verhaftung unmittelbar bevorstände. Ich lehnte dies als Feigheit ab. Der Hirt muß bei der Herde bleiben.
Schon nach zwei Tagen, am Mittwoch, dem 24. September 1942, lauschte mein Ohr gegen sieben Uhr morgens den neuesten Nachrichten des englischen Senders, als die Hausglocke des Pfarrhauses von Dieuze heftig gezogen wurde. Unsere Köchin redete hochdeutsch, ein Zeichen drohender Gefahr. Schnell war das Radio in Ordnung gebracht. Ein Sarrebourger Gestapobeamter erklärte mich als verhaftet. Äußerlich gefaßt, innerlich jedoch von größter Unruhe ergriffen, saß ich bald im Auto das in Richtung Sarrebourg abfuhr. Vergeblich war die Bitte, unterwegs nach Guermange einzubiegen, wo ich ein Beerdigungsamt singen sollte. In Sarrebourg Verhör über meine Schriften, Reden und sonstige öffentliche Tätigkeit, die nach Aussagen des Beamten den Nachweis erbrächten, daß ich trotz meiner erheuchelten deutsch - freundlichen Gesinnung, ein heimtückischer Gegner des Nationalsozia- lismus, ja, ein fanatischer Franzose sei. Es erwecke den Anschein, als ob ich Wasser auf beiden Schultern trüge. Der Beamte hörte geduldig und mit begreiflicher Neugierde auf meine Antwort. Es waren Erörterungen über die lothringische Grenzlandtragik, der einzige meiner scheinbar sich widersprechenden politischen Tätigkeit. Drei Tatsachen müsse man im Auge behalten: 1. Viele lothringische Gebiete waren bald Frankreich , bald Deutschland angegliedert. Lothringen bildete jedoch fast tausend Jahre lang ein selbständiges Herzogtum. 2. Ein Drittel der Bevölkerung spricht nur französisch, etwa ein Drittel ausschließlich deutsch, die übrigen beide Sprachen. 3. Mindestens 900% aller Lothringer sind überzeugte Katholiken. Welches sind die Folgen dieser Tatsachen? Der Lothringer denkt, fühlt und handelt vor allen als Lothringer . Ich persönlich bin fanatischer lothringischer Partiku-


