nicht vergessen. Es geschah aber nichts. Immerhin wurde an einem anderen Tage ein polnischer Geistlicher eine ‚Stunde lang mit den Armen auf dem Rücken aufgehängt, nur weil er beim Waschen den Oberkörper nicht entblößt hatte. Ich selber ‚kannte einen Geist- lichen, der durch solches Aufknüpfen eine für immer verdrehte Hand davon getragen hat.

Der österreichische Zisterzienserpater Just ist besonders hart mit- genommen worden. Er schmachtete seit Juni 1938 in Gefängnissen und in Lagern. Pater Just saß ohne Unterbrechung einmal 30 Tage im Bunker, bekam 25 Hiebe, erhielt bei einer anderen Gelegenheit 47 Tage Dunkelarrest und dabei nur jeden vierten Tag Nahrung, wurde zwei- mal mit den Händen auf dem Rücken aufgehängt usw. Er kam trotzdem mit dem Leben davon.

Der Tiroler Pfarrer Würl, schon seit 1940 ein Zwangsgast Himm- lers, wurde derart schlecht behandelt, daß heute seine Nerven völlig zerrüttet sind. Nur ein Beispiel: Während eines Appells hielten sich einige Inhaftierte vor Kälte die Ohren zu. Vom Lagerkommandanten erwischt, mußten sich alle mit Mund und Nase auf den Boden in das Schneewasser werfen. Als einige Kameraden die Köpfe etwas erhoben, stellte der Kommandant seinen Fuß auf deren Rücken. Würl lag so über zwanzig Minuten mit der Nase im Schneewasser, ohne sich rühren zu dürfen. Die Nase schwoll an, zeigte bald fortschreitende krebs- artige Wucherungen und faulte schließlich an den beiden Flügeln ab. Vergeblich ließ Pfarrer Würl sich vier Jahre lang behandeln. Bis zur Entlassung hieß unser Tiroler Kollege nur:der lustige Pfarrer ohne Nase Die Nazi-Unholde verspotteten obendrein den Bedauerns- werten. Einst mußte sich Würl über eine Stunde lang in die Lager- straße stellen, ununterbrochen zur Sonne hinaufschauen, ihr zuwinken und fortgesetzt ausrufen:Komm, liebe Sonne, komm und heile meine kranke Nase!

Der tschechische Arzt Dr. Franz Blaha, erzählte gelegentlich der Verhandlungen des Nürnberger Prozesses geradezu unglaubliche

Tatsachen, die von dem pfälzischen Pfarrer Seitz in Presseartikeln bestätigt wurden. Unter den 2400 bei Linz ermordeten Leidensgenossen befanden sich etwa 100 katholische Priester, auch ein Pfarrer aus dem Bistum Augsburg . Die Schwester dieses Geistlichen erhielt von der

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