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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Du fragst, was ich den ganzen Tag mache. In der Hauptsache bin ich Schüler am göttlichen Wort und will's auch bleiben.

Du kannst Dir denken, daß ich mich bei aller großen Kameradschaft hier doch oft recht einsam fühle. Aber der treue Gott ist ja auch hier bei mir und kann mir auch diese ,, Ferne" zur ,, Heimat" machen und mir auch in dieser ,, Welt" adventlich begegnen.

Auch hier darf man ja Arbeit und Speise gesegnet aus Gottes Hand neh­men, auch hier macht Gott den 23. Psalm wahr, daß er unsere Seelen er­quicket und uns auf rechter Straße führet um seines Namens willen. Im übrigen wollen wir uns fest auf die Zusagen Gottes verlassen, daß Er die Gefangenen herausführt zur rechten Zeit, und unsere Seelen in Geduld fassen. Betet für mich, da ich auch hier auf dem Wege der Nachfolge un­seres gekreuzigten Herrn erfunden werde und rechte Passionszeit halte. Wir wollen auch für die Zukunft hin der gnädigen und wunderbaren Durchhilfe unseres Gottes vertrauen, aber auch allezeit bereit sein, den reichen Ersatz unserer menschlichen Liebe, von dem ich Dir schrieb, in Ihm anzunehmen, der doch mehr ist als ein bloẞer Ersatz... Ich befehle mich dauernd Eurer Fürbitte an, daß ich meinen Weg recht gehe." Daß er seinen Weg recht gehe, das ist sein Hauptanliegen und die Bitte gegenüber seinem Herrn. Er, der Mann mit dem starken, frohen Herzen, hat ja ein so zartes Gewissen, das aus seinem Brief vom November 1937 so deutlich und fein spricht:

,, Gelt, das Schwerste ist ja die Gewissenslast, daß man immer sorgt, daß man's recht macht, und vor Menschen und vor Gott bestehen kann. Darum ist ja die Last, die uns Christen vor andern aufliegt, viel schwerer, als alles äußerliche Leiden ist. Die wenigstens will ich mit Dir und für Dich tragen, und manchmal liegt mir diese Last auch sehr schwer auf, und ich muß mich auch im Glauben wieder mühsam hochkrabbeln, daß ich ver­trauen kann, daß doch Gott mein ganzes unvollkommenes und sündiges Tun und Verantworten und Bekennen in Gnaden ansieht. In solchen Stun­den wollen wir dann vertrauen, daß er unser sündiges Menschenwerk um des vollkommenen Opfers und Werkes Jesu willen in seine treue Gottes­hand nimmt und heiligt und reinigt und segnet. Über unserem ganzen Tun und Leben bleibt es wahr:, Gottes Hand und Christi Blut macht ja allen Schaden gut'. So wollen wir auf's neue alles in seine Hände befehlen." Weil er dieses feine Gewissen hat und immer wieder darum bittet, daß ,, Sein Wille geschehe", darum konnte er, der, wie sein Freund Pastor Lutze bei seinem Tode sagte ,,, ein so zarter Mensch war, so unbeugsam sein", konnte er auch im Lager der Versuchung widerstehen in der Ge­stalt des Angebotes, ihn freizulassen, wenn er die Ausweisung an­nehme, und konnte er mit einem mit menschlicher Vernunft kaum

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