„Möchten wir nur auch lernen und reifen an dem, was uns aufgegeben wird, und überwinden!“
Nicht weil er etwa von einem religiösen Fanatismus oder Wahn ergriffen ist, sondern weil er stets Gott um die Kraft zum Durchhalten bittet, deshalb, nur deshalb hält er durch, läßt er sich nicht leiten von der Furcht vor Kör- perschmerzen, sondern gehorcht er dem Gebot seines Gottes, der Welt das Wort des Herrn zu verkünden, auch da, wo es nicht gehört werden will, um ihr ihre Sünde vorzuhalten. Er fühlt es, daß Gott immer bei ihm ist. Däs umgibt ihn mit einer festen Mauer. So schreibt er am 4. Oktober 1937 an seine Kinder:
„Ich weiß, daß Gott Euch hört und daß Eure Gebetlein auch mitbauen an der festen Mauer, die um uns her ist, so daß auch Eurem Vater kein Haar gekrümmt werden kann ohne Gottes Willen... Wenn wir dann bei Gott ein wenig warten müssen auf die Erfüllung unserer Bitte, dürfen wir nicht irre werden, als ob Gott uns nicht hörte, und nicht müde werden, weil es so lang dauert... Vielleicht gibt es Gott den Männern im Staat noch ins Herz, daß sie den Vater bald wieder freilassen. Wenn nicht, so müßt Ihr denken. daß es auch so gut und nötig ist, damit die Menschen wieder mehr auf Gottes Wort hören.“
Am geichen Tage schreibt er an seine Frau:
„Nun wollen wir recht Glauben halten und auf Gottes Wundermacht ver- trauen. Auch die Gemeinden sollen sich nicht erschrecken und einschüch- tern lassen. Jetzt stehen wir halt immer einsam, darum um so mehr auf Gott geworfen. Wir wollen noch treuer beten.“
Sein Brief vom 26. Oktober 1937 an die Gattin enthält die Stelle: „Gottes Wort und Geist und Segen sind ja nicht gebunden und kommen auch in der Stille und Einsamkeit meiner Zelle auf eine sonderliche Weise zu mir. In der Stille und Einsamkeit mit Gott und seinem Wort hat jetzt unsereins das, was er sonst zu wenig hat, oder sich zu wenig genommen hat. Darum dürfen wir Pfarrer in den Gefängnissen auch für uns persön- lich die Haftzeit als freundliche Führung Gottes ansehen.“
Die Sorge, daß er gehorsam bleibe und der Welt ein Vorbild gebe, erfüllt ihn stets: er möchte doch ‚„.den Feinden nicht Ursache geben, unseren Glau- ben zu lästern.“ Er ist sich seiner menschlichen Schwäche bewußt, aber er baut in seiner Passion froh auf die Nähe, Zusage und Kraft Gottes. Das beweisen Sätze in seinen Briefen aus Buchenwald :
„Es beschämt wohl, daß man zu dem allem die Ermahnung des Apostels
noch so nötig hat, aber es macht doch auch froh, daß man das alles ha-
ben darf, sich schenken lassen darf und vielleicht auch hie und da einen schwachen Anfang gemadhıt hat.
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