Schrift lesen. So hoffe ich, wird Christi Friede mein Anteil und seine Gnade meine Herrlichkeit sein. Ich bin ohne jede Bitterkeit, ich trage alles mit der Geduld, die nur Christus gibt. Ich hoffe, daß mein Gebet und das Gebet so vieler erhört wird; daß ich wieder einmal das Gloria anstimmen darf am Altar. Dir wünsche ich die Gnade Christi , damit Du stark und in Liebe mit mir die Myrrhe trinkst, die uns Gottes Liebe in diesem Jahr kredenzt. Wisse, daß ich immer bei Dir bin, und daß ich Gott wohl stündlich anflehe, er möge Dein reicher Vergelter sein für alles, was Du in Treue und Liebe für mich getan und getragen hast. Du bist der einzige Mensch, der in keiner Sekunde versagt hat. Liebste Maria, grüße Oberin und alle Schwestern recht herzlich von mir. Wenn Du willst, lies ihnen als Weihnachtswunsch diesen Brief vor. Also reichen Segen für Dein Herz! Um unsere Herzen schlingt sich der Dornenkranz des Leids unlöslich.
Brandenburg- Görden, 6. Januar 1944.
... Wir hatten in letzter Zeit fast jede Nacht Alarm. Hier sind, Gott sei Dank, die Fenster ganz, so daß es warm ist. Ich hatte heute recht große Freude am Brevier. Illuminare, Jerusalem !( Werde Licht, Jerusalem !). Dann werde ich jetzt täglich aus dem Brevier hinten die Commendatio animae beten... Es soll mir eine tägliche Einübung zum Sterben sein. Dann lese ich viel das Neue Testament, jetzt den Hebräerbrief. Er ist wundervoll. Jetzt habe ich den ersten Johannesbrief griechisch gelesen. Herr Pfarrer wird mir oft die heilige Kommunion bringen. So lebe ich ganz im Geistigen und Pneumatischen. Mein treuester Begleiter ist der Rosenkranz . Mutter bekommt täglich einen, und für Dich bete ich ohne Unterlaẞ. Ich kann Dir immer wieder versichern, wie sehr lieb ich Dich habe. Das schwerste Opfer ist mir, daß ich Deine Nähe entbehren muß. Jetzt warte ich jeden Tag, daß Du kommst! Als ich an den Hochaltar meißeln ließ ,, Et iterum venturus est", ahnte ich nicht, daß ich einmal jeden Tag nach der Tür schauen würde, ob der Herr schon kommt. So wie ich jetzt täglich auf die Parusie Christi warte, müßte es eigentlich jeder Christ tun. Ich wache und bete, um die Einladung Christi ,, Ecce sponsus venit" zu hören. Trotz der Herrlichkeit des ewigen Lebens( Geh. Offb.), die an den transparenten Horizonten wetterleuchtet, wird das Ausziehen des alten Kleides, wird das Abschiednehmen von der Erde schwer. Ich bin ein Mensch! So hoffe ich und bete, daß Gottes Gnade mich wieder an den Altar führt, wenn es dem Willen Gottes so gefällt. Grüße alle, die für mich beten. Sage jedem, daß es nur ein Unglück gibt, die Sünde. Grüße besonders Oberin, alle Schwestern, die Kinder, die Armen, die Kranken und die Kummer und Leid tragen! Komme bald und bringe gute Nachricht!
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