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hier ist es mir klar geworden: ich habe nicht zur Ehre Gottes, sondern zu meiner Ehre gesungen. Darum bin ich hier." Heilige Befreiung! Beim Verbrennen der Akten vor der Auflösung des Lagers hatte ich Dinge, die m. E. den Feuertod nicht verdienten, wie Bleistifte, Taschen, einen Hosenträger, aus dem Scheiterhaufen beiseite gelegt. Einiges nahm ich zum Verschenken mit. Das erste, was ich hart jenseits des Lagertores sah, war eine Mutter mit einer blühenden Kinderschar, die von ihrem Gartenzaun aus unserem gespenstischen Ausmarsch zuschauten. Ein billiges Kinderarmband aus blauen Vergiẞmeinnicht- Blumen, das sich seltsamerweise zwischen den SS - Papieren gefunden hatte, konnte ich dem jubelnden Kind um das runde Ärmchen legen. So durfte ich Entkräftete und Ausgeplünderte beim ersten Schritt aus dem Lager das sein, wozu Christen bestimmt sind: ein gebender, nicht ein fordernder Mensch.
Und dann kam das Wunder, daß uns Ausgestoßene der Vater im Himmel auch sichtbar wieder in seine Arme nahm. Die erste Nacht draußen in der Freiheit habe ich im Walde geschlafen: nach all der grauen und grausamen Beton- und Stacheldraht- Künstlichkeit des Lagers freie, aus Gottes Schöpferhand geschenkte hohe Waldbäume über mir und durch ihre Zweige schimmernd das klare Sternenzelt. Da war ich, während die Wasser der Sintflut, die mich umtost hatten, versanken, in den göttlichen Schöpfungsbund Noahs, den Bund der Langmut Gottes wieder sichtbar aufgenommen: ,, Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht". Die zweite Nacht, als ich ein mit Flüchtlingen vollgestopftes mecklenburgisches Städtchen erreicht hatte, durfte ich in einer Kirche zubringen. Über meiner Strohschütte wölbten sich, ähnlich wie die Zweige der Waldbäume draußen, die edlen gotischen Bogen und verdämmerten hoch droben. Da war ich in den Bund Gottes mit seiner Gemeinde, den Abrahams -, Moseund Christusbund sichtbar wieder aufgenommen: Ihr sollt mein Volk sein und ich will euer Gott sein". Es dauerte noch Tage und Nächte, bis ich in einer Menschenwohnung Obdach fand.
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Beim Scheiden aus dem Berliner Gefängnis war es mir aufgegangen, daß das Wort von einem meiner Vorgänger, hoch oben an meine Zellenwand geschrieben: ,, Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, und deinen Nächsten wie dich selbst", der Leitspruch meiner Haftzeit sein sollte., Gott lieben von ganzem Herzen': der Sinn meiner Berliner Einzelhaft; Deinen Nächsten wie dich selbst': die aufgegebene Lektion für das kommende Lagerleben. Im Lager habe ich mich manchmal gefragt, was darnach darüber hinaus noch kommen könne. Jetzt weiß ich es: nun, in der neu geschenkten Freiheit, bleibt das, und' zu üben, die nicht zu verkürzende, doch immer wieder verletzte Verbindung der Gottes- und
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