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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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verbieten wollte. Wenn wir einander Zeichen der Liebe ,, Rosen' schenken, kann auch bei uns hier im Totenhaus etwas von Schönheit und Freude sein; ja wahrhaftig, die Baracke wird größer werden: wir werden die Ge­fängnismauern weniger spüren". ,, Ich reiste mit meinem Mann", hub die 40jährige Frau an, deren Mann ins Ausland geflohen war.., Wir woll­ten in einem Hotel übernachten, fanden aber nirgends Unterkunft. Schließ­lich, als wir schon alle Hoffnung aufgegeben hatten, zeigte ein Wirt uns mehrere schöne Zimmer, die könnten wir haben, aber nur, wenn wir auch das Badezimmer dazu haben wollten. Werde ich meinen Mann wieder­sehen?", Wir haben hier keine bleibende Statt", so sagt der Traum ,,, und wir bleiben bedroht von neuer Unruhe und Obdachlosigkeit. Aber unver­hofft tut sich uns die Heimat auf, die uns keiner rauben kann. Doch kom­men wir hinein nur durch ein Bad. Paulus nennt es ,, das Bad der Wie­dergeburt und Erneuerung des Geistes." An meinem Geburtstag, kurz vor Ostern, reichte eine greise Frau mir beim Morgengrauen die Hand. ,, Ich wünsche Ihnen die heilige Befreiung". Ich war betroffen von dem ungewohnten Wort; aber es war der rechte Name , Heilige Befreiung', wovon? von dem Unheiligen, von der Selbstliebe. Wo­durch? durch das Heilige, durch Gott . Wofür? für die Heiligung, für den Dienst, für Gott und für den Nächsten. Diese Befreiung konnte nicht durch Einhändigung des Entlassungsscheines eingeleitet werden. Sie sollte nicht beim Ausgang, sondern beim Eingang in die Haft beginnen, da, als mit­einander Heimat und Freundschaft, Beruf und Familie, Eigentum und Standesprivileg oder erworbener Name und Einfluß zusammen mit den Kleidern und manchmal auch dem Haupthaar von uns abfiel.

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Solche innere Befreiung, wofür die Entkleidung von allem äußerlich uns anhaftenden Eigenen das Sinnbild war, habe ich im Lager wahrnehmen dürfen. Ich konnte wegen starker Entkräftung einige Wochen beim Früh­appell einen Schemel benutzen, in einer Reihe mit einigen anderen beson­ders schwachen oder sehr alten Frauen. Wenn die Aufseherin zum Zählen kam, wurde, Achtung geschrien, und auch wir mußten hochspringen und strammstehen. Als sie außer Sicht war, bat eine feingliedrige, früh ge­alterte Frau, sich einen Augenblick auf meinen Schemel setzen zu dürfen. Wir flüsterten ein Gespräch, wobei die Frage gestellt wurde über das Wo­her und über den Grund der Verhaftung. ,, Ich weiß wohl, warum ich hier bin", sagte meine Unbekannte und blickte in die Ferne ,, Nicht um des­sentwillen, was in meiner Akte steht, nein, die Stapo weiß den wahren Grund selbst gar nicht, aber ich habe ihn hier in den langen Morgenstun­den beim Appell erkannt. Ich bin Sängerin und habe oft in Kirchenkon­zerten gesungen. Dann war es mir wohltuend, wenn die Leute auf mich aufmerksam wurden und zu mir hinschauten. In den kalten Frühstunden

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