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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Bericht von Dr. Konrad Hofmann

HEINRICH FEURSTEIN

IN DER SCHULE DES HEILIGEN STEPHANUS

Wer von Dr. Feurstein spricht, nennt eine wahrhaft edle Priestergestalt, nennt einen Seelsorger von geistiger und sittlicher Größe. Seine Gelehr­samkeit und sein Kunstsinn stehen hier nicht zur Erörterung. Er, der selbst­lose Güte anderen erzeigte, übte gegen sich selbst die Strenge eines Asze­ten Äußerst bescheiden in den eigenen Ansprüchen, spendete er sich und seine Habe aufs freigebigste bis zur Selbstentäußerung. Kaum ein Haus, eine Familie gab es in Donaueschingen , die nicht irgendeine Wohltat von ihm erhalten hätten. Obgleich er sich mit allem Ernste in der Pastoration mühte und schöne Erfolge darin erntete, quälte sich sein empfindliches Ver­antwortungsbewußtsein doch oft mit dem verzagenden Zweifel herum, ob er ,,, ewig nur ein armer Triarier und Ruderknecht", den richtigen Kurs ein­halte. Die bange Frage, ob er Kraft und Kunst genug daran setze, allen alles zu werden, ob er den rechten Weg gehe und führe, beschäftigte ihn erst recht, ja durchrüttelte ihn bis ins Mark seines Wesens in der Zeit, als im ganzen Reich jene unseligen Gewalten gegen Religion und Menschen­würde aufstanden und auch in die Hürde seiner Pfarrgemeinde einbrachen. Daß er, gehorsam der Forderung seines Gewissens, ein tapferes Bekennt­nis ablegte und in Treue zum inneren Anruf für seine religiöse Überzeu­gung entschlossen Kerker und Tod auf sich genommen hat: dieser Glau­bensmut und Opfergang ist das Erhabenste an ihm. Mit dem Siegel der Bewährung steht er vor uns, der Palmzweig des Überwinders schmückt sein

Bild.

Unter dem kulturellen wie dem politischen Gesichtspunkt betrachtete Dr. Feurstein die Entscheidung vom Jahre 1933, die zur nationalsozialistischen Machtergreifung führte, als unfaßbar und verhängnisvoll. Wie man bloß ,, diesen Hitler mit seinen diabolischen Augen, der nur Unheil bringt", wäh­len könne! In seinem teilnehmenden Geist und priesterlichen Herzen auf­geschreckt, verfolgte er mit wachem Sinn und blutender Seele die Entwick­lung, um so leidvoller, je mehr sich die Unmoralität und Despotie, der Machtrausch und Kirchenhaẞ offenbarten. Er ließ sich ja nicht von den

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