schwinde, wünsche ich Dir darüber hinaus eine adventliche Geborgenheit wie Phil. 4. Daß die Freude bleibt. Um mich mußt Du nie bekümmert sein, hörst Du?
4. Dezember Diese Nacht habe ich überhaupt nicht geschlafen. Wenn ich Licht gehabt hätte, hätte ich Karten geschrieben. Aber so lag ich und sagte mir alle Adventsworte und Hoffnungsverse, die ich kannte. Es war wie eine Heer- schau. Und fertig bin ich damit auch nicht geworden. So lang war die Nacht nicht.
Bochum, 5. Dezember
Es sieht nicht so aus, als könntest Du mich am Donnerstag früh noch hier treffen, sondern wir werden wohl gleich morgen weitergeleitet, irgendwie in Richtung Dachau . Du hast mich also am Montag, ohne daß wir beide das wußten, zum vorläufig letztenmal durch Deinen Besuch erquickt und gestärkt. Gott hat uns bei den großen Bombennöten des Monats November doch darin eine reiche Zeit geschenkt, daß wir die Not zusammen tragen durften, daß wir gemeinsam auch die Frage des Hernach für Dich und das Kind besprechen konnten.— Zum erstenmal in den drei Monaten der Haft habe ich heute(für eine Nacht) eine schöne Einzelzelle für mich allein. Herunterklappbar sind Tisch und Stuhl, auch auf der anderen Seite das Bett. Wie verschieden waren die Zeiten in Dortmund zu dritt und in Herne zu sechsen gerade durch die Menschen. Heute genieße ich die Möglichkeit des Schweigens; man muß sich ja auch zurichten für die nicht ganz, leichte Fahrerei. Ich will das getrost in Gottes Hände legen, denn er hat mir das schwere Vierteljahr dieser Haftanfänge zu einer gesegneten Zeit gemacht. _—_ Weil Gott Dich tröstete, konntest Du auch trösten. Und weil Du trugest,
bekamst Du auch Kraft genug,
Halle, 13. Dezember
Es wird noch etwas dauern, bis wir am Ziel sind. Gestern abend machten wir nach Bochum, Bielefeld , Hannover , hier die vierte Station. Wir hatten gestern einen Reisetag, an dem die Sonne, die Farben, der Abendstern uns erquickten. Auf den Harzbergen sah ich den ersten Schnee. Grüße unsere Brigitte und die Hausgenossen und sei gewiß, daß der Lobgesang von
Psalm 68 bei Euch und bei mir nicht aufhören darf.
Leipzig , 15. Dezember Liebe Brigitte, wir sind noch auf der langen Reise... Du wirst Dich auf das Fest so freuen wie ich, denn Du kennst auch das Wort des Engels:
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„Bu so kor zusam kunft
Dacha Gott: zum| und I selbst Gotte hältst
N Er se grüßt


