Schwer ist es mir überhaupt geworden, von meinen Dirnen wegzugehen. Ungern überließ ich sie, für die ich alles Verstehen und Erbarmen aufzubringen mich täglich neu bemüht hatte, einer andern. Beglückend war es für mich, daß ich als Werkzeug der Gnade Gottes manche dieser gottfremden und gottfernen Menschenseelen tief in die erbarmende Liebe Gottes habe hineinwachsen sehen. Solches gemeinsam erkämpfte und erlittene Geschehen verbindet mehr als alles andere auf der Welt. Erhebend und erschütternd zugleich war es, wenn wir in unserem Block der Asozialen und Dirnen in dunkler Nacht gemeinsam unser Te Deum , an hohen kirchlichen Festen morgens schon um 4 Uhr, bevor die Lagersirene grausam in den neuen Morgen hineinrief, zum Himmel sandten. ,, Großer Gott, wir loben Dich!" Nicht nur die erste Strophe haben wir gesungen, sondern auch die zweite und dritte, die ich ihnen beigebracht habe. Wir Ausgestoßenen priesen in unserem mitleidslosen Elend und Grauen starkmütig und ohne Zittern den großen Gott in seiner Allmacht und Güte. Nie zuvor hätte ich geglaubt, daß Menschen dieser Art in dieser erniedrigenden Lage eine solche heroische Tat vollbringen konnten. Ja, wir haben dazu beigetragen, daß Gott verherrlicht wurde, auch noch in den Greueln des Konzentrationslagers, wo jedes Beten, Singen, jedes Kreuzzeichen strengstens untersagt war.
Von den wenigen Häftlingen, von denen ich hier habe berichten können, bin ich überzeugt, sie, die so gern einem Priester ein Bekenntnis abgelegt hätten, was aber bei uns nicht möglich war, da kein Priester jemals unser KZ. betreten durfte, sind nach ihrem Tode Gott dennoch direkt in die Arme gelaufen; sie, die auf dieser Erde nie ein Heim, nie wahre Liebe gekannt hatten, sind sicherlich in die Heimat des Himmels gelangt. Denn bei soviel gutem Willen und tiefinnerlicher Reue müssen doch diese armen Irregegangenen und Verstoßenen dort oben wenigstens nach Hause kommen. Ganz trostlos waren die völlig Verzweifelten, die an nichts mehr glaubten und nichts mehr erhofften, die an Gott, Vaterland, Menschen, Heimat, an sich gänzlich irre geworden waren. Und das waren viele, viele im Block II. Ihr Seelenzustand muß erschütternd gewesen sein. Ohne Hoffnung vermag der Mensch nicht zu leben, erst recht nicht in solcher Hölle. So wurden diese bedauernswerten Frauen und Mädchen oft genug zu Irrsinnigen und
Selbstmördern.
Hier trugen alle ihr schweres Kreuz. Der große Unterschied bestand darin, daß die einen es mit Christus trugen, die andern aber ohne ihn. Wenn man nicht in völlige Verzweiflung und Bitterkeit versinken wollte, von einem Abgrund in den anderen hinein, mußte man einen unbändigen Glauben besitzen. Aber ohne diesen Glauben ging in den Seelen der Ärmsten etwas
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