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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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zig Jahre alt, überzart, das feine Antlitz ganz vergeistigt, zu allen Häft­lingen stets überaus opferbereit und gütig. Ihr frommer Sinn war freudig bereit, im Geiste der Nachfolge Christi das schwere Kreuz zu tragen. Ich sehe sie noch vor mir an einem naẞkalten Herbstabend, mit nackten Fü­Ben, zitternd am ganzen Körper, mich bittend: ,, Bete, bete, daß ich es körperlich aushalten kann!" Als ich ihr tröstend antwortete, ich wolle drei Tage lang alles Schwere für sie aufopfern, damit sie nicht zerbreche, da war sie wieder froh wie ein Kind und flüsterte mir das ,, Magnificat " zu, das ihr liebstes Gebet war. Oft nahm sie einen weinenden Häftling bei der Hand und versuchte, ihn durch ihre christliche Herzensgüte und wunder­same Gelassenheit wieder aufzurichten. Ich habe sie wie eine Heilige ver­ehrt.

Und Elfriede, das sanfte Lämmchen aus Köln , das aber auch fröhlich und sprühend sein konnte in echt rheinischer Art. Sie arbeitete in der Kanin­chenzucht. Bei diesen stillen Tieren war gerade der richtige Platz für sie. Ihre größte Freude war es, sich ganz der Betrachtung hinzugeben. Tiefe Demut und letzte Bereitschaft, alles zu ertragen, war in ihr. Sie hat ihren Kreuzweg heroisch gemeistert. Aber wir wissen heute nichts mehr von ihr. Sie gehört zu den vielen ,, Vermißten", die bis zum Kriegsende im KZ. aushalten mußten. Wer weiß, wohin man sie noch am Schluß verladen hat? Ob sie überhaupt noch lebt oder auch in einer der großen unheim­lichen Gaskammern ermordet worden ist? Aber das Eine weiß ich, daß sie in ihrer großen Liebe zu Christus auch zum Allerschwersten ein freudiges ,, Ja, Vater" gesprochen hat.

An Angela denke ich, die als Geisel für den Vater, den die Gestapo nicht auffinden konnte, in das KZ. eingeliefert wurde. Sie erschien uns wirklich als ein Engel, trug also ihren schönen Namen mit Recht. Fünf volle Jahre verbrachte sie an dieser Leidensstätte. Trotz körperlicher Elendigkeit be­saß sie in ihrer starken Seele einen Glauben, der Berge versetzen konnte. Bei ihrem Anblick mußte ich oft an das Wort der Heiligen Schrift denken: ,, Gott hat das Schwache geschaffen, um das Starke zu beschämen." Häufig haben wir mit einigen Gleichgesinnten bei zwanzig Grad Kälte und mehr unsere Sonntagsmesse versteckt in einer äußersten Ecke des Lagers gebetet. Ihre Hände kuschelten sich fest in meine Hände, und ich rieb und rieb sie warm, erst die eine, dann die an­dere Hand. Und dann sangen wir ganz leise, damit die herumpatrouillie­rende SS- Wache es nicht vernahm:

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,, O mein Christ, laß Gott nur walten,

seine Lieb' wacht immerfort,

seine Hand wird treu dich halten, wahr und heilig ist sein Wort."

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