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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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teilten konnten uns den Tag über im Block frei beschäftigen. Ich hatte meine deutsche Bibel nebst dem hebräischen und griechischen Urtext, auch ein hebräisches Lexikon. Im Anschluß an das Bibelwort gab es für mich viele Gespräche, bald mit Evangelischen, bald mit Katholiken. Ein ver­heirateter altkatholischer Priester aus Kroatien forschte eifrig in der Hei­ligen Schrift und nahm gerne an unseren Morgenandachten und Gottes­diensten teil, ging auch bei uns zum Tisch des Herrn. Beschämend war für uns, wieviele Männer es aus der römisch- katholischen Kirche waren, die die nationalsozialistische Weltanschauung radikal abgelehnt hatten und darüber nach Dachau kamen. Was ihnen die Messe bedeutet, wurde uns insbesondere klar durch tägliche Vorträge, die ein belgischer Jesuit vor den Nichteingeteilten über Fragen der Seelsorge hielt. Jenseits der theo­logischen Differenzen gab es aber mit frommen Brüdern aus der katho­ lischen Kirche , mit ihrer innigen Gebetsfrömmigkeit und ihrem hingeben­den Liebesdienst herzliche Verbindung.

In unserem eigenen evangelischen Kreis hatten wir nicht bloß Männer der Bekennenden Kirche . Mehrere Pastoren saßen aus rein politischen Grün­den im Lager. Einer davon war ein ausgesprochener Spötter. Ein anderer vertrat eine unbiblische Philosophie, die alles in Symbolismus auflöste; unser Konvent mußte ihn in einem kirchlichen Lehrzuchtverfahren vom Dienst am Wort ausschließen. Die Verbindung mit den Brüdern der Be­ kennenden Kirche und diejenige mit den Brüdern aus Holland , Böhmen und Polen äußerte sich sehr ersprießlich. Ernst Wilm leitete unsere Bru­derschaft mit großer Ruhe und Klarheit. Unsere Gemeinschaft trat jedem überspitzten Konfessionalismus nachdrücklich entgegen, nur darauf be­dacht, daß wir uns unter dem Schriftwort die Hand reichten. In regel­mäßigen Stunden hielten wir eine homiletische Arbeitsgemeinschaft. Nach dem großen Abendappell und dem Abendessen hatten wir im Schlaf­raum eine gemeinsame Abendandacht, nach unserer Zahl sechsmal in der Woche von einem Katholiken geleitet und einmal, nämlich am Sonntag, von Evangelischen. Dabei stand auch von katholischer Seite das Bibelwort oft im Mittelpunkt. Geschlossen wurde mit dem von allen gesprochenen Gebet des Herrn. Als ich das erstemal diese Abendandacht hatte, war die Bibellese des Tages der Gruß des Engels Gabriel an Maria. So kam ich am Ave Maria nicht vorbei und damit am Wort ,, kecharitomene", das die Vulgata mit plena gratia übersetzt. Ich konnte den Katholiken die Hand reichen bis zum ,, theotokos"( Gottesgebärerin), zog dann aber die Grenze zwischen der Deutung ,, Begnadigte " und ,, Gnadenbringerin". Das wurde mit großer Aufmerksamkeit gehört; am nächsten Morgen begrüßte mich der griechische Archimandrit unter einem Bruderkuẞ mit dem Wort: ,, ke­charitomene!"

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