Im Zugangsblock hatte ich allerlei interessante Begegnungen. Mein Spindgenosse war ein griechisch- orthodoxer Archimandrit aus Sparta, der eine Gemeinde in München und Leipzig betreut hatte und einigermaßen Deutsch verstand. Rechte Freundschaft verband mich für einige Monate mit einem katholischen Ministerialrat aus Wien , der um seine nichtarische Frau in Auschwitz in größter Sorge war und im Hören auf das Evangelium mit mir übereinstimmte. Gern denke ich auch an jenen Ernsten Bibelforscher, dem ich wegen seiner Leugnung der leiblichen Auferstehung und Wiederkunft Christi widersprechen mußte. Zum Abschied sagte er mir:„ ,, Ich sehe wohl, daß Du auf gutem Wege bist; Du wirst schon noch weiterkommen!" Etwa 14 Tage nach dem Heimgang Helmuts kam ich aus dem Zugangsblock in den Pastorenblock und fand dort sehr herzliche Aufnahme. Christian Reger erbot sich sofort, mir in der Fürsorge die Stelle meines Sohnes zu vertreten. In seiner erfinderischen Liebe fühlte ich mich immer wieder bei aller Not von Herzen wohl. In unserer Stube begegneten mir auch die Männer, die ich in der Fürbittenliste der Bekennenden Kirche unserer Gemeinde selber so oft genannt hatte, und für die wir zum Teil schon seit Jahren vor dem Thron der Gnade eingetreten waren. Nun waren wir beisammen in der Gemeinschaft des Leidens um des Zeugnisses Christi willen und waren dessen inmitten der Drangsale vor Gottes Angesicht getrost. Der Pastorenblock zählte damals etwa 1000 Geistliche. Die allermeisten gehörten der römisch- katholischen Kirche an. Daneben gab es Angehörige der Ostkirche, Altkatholiken und Evangelische. In unserer Stube, 9 auf 9 Meter groß, waren wir gewöhnlich 130 Mann. Es gab aber auch eine Doppelbelegschaft von 260 Mann.
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Der Tageslauf hatte bei uns einen geistlichen Anfang und Schluß. Wenn morgens um 4 Uhr von der Nebenstube her an die Wand geklopft wurde, rief einer, der in unserem Schlafraum erwachte: ,, Gelobt sei Jesus Christus!" Alles antwortete: ,, In Ewigkeit. Amen!" Das war der Morgengruß. Die Katholiken kleideten sich zuerst an, um zur Messe zu gehen. Dann folgten wir Evangelischen. Beim Waschen begrüßte ich öfter einen griechischen Archimandriten aus Korinth mit dem apostolischen Segenswunsch: ,, charis kai eirene"( Gnade und Friede); er: ,, en Christo Jesu"- Christus Jesus ); ich: ,, to kyrio hemon"( unserem Herrn); er: ,, Amen!". Wir Evangelischen gingen nach dem Kaffee in die gemeinsame Kapelle des Blocks. Unsere Morgenandacht darin begann mit Gesang unter Harmoniumspiel. Dann folgten Losung und Lehrtext und eine Ansprache über die Bibellese des Tages von etwa zehn Minuten. Mit Gesang und, Gebet wurde geschlossen. Oft war freilich die Zeit schon sehr knapp geworden, und die Pfiffe riefen uns zum großen Morgenappell auf den Lagerplatz. Vom Appell aus zogen die meisten auf ihr Kommando, wir Nichteinge
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