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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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DEBTRICOHBONHOEFEFEER

Am 4. Februar 1906 zu Breslau geboren als Sohn des Psychiaters Geh . Medizinalrat Dr. Karl Bonhoeffer und seiner Frau, einer Tochter des be- kannten protestantischen Dogmatikers und Kirchenhistorikers Karl August von Hase , war Dietrich Bonhoeffer seit 1930 als Lic. theol. Privatdozent an der Universität Berlin. Er stand längere Zeit im Pfarramt. Im Kirchen- kampf der Jahre 1933 bis 37 hat er sich der Bekennenden Kirche ange- schlossen und gehörte ihrer vorläufigen Leitung an. 1934 wurde er von der Universität relegiert. Er übernahm dann das illegale Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde . Nach dessen Auflösung durch die Ge- heime Staatspolizei 1940 beteiligte er sich mit seinem Bruder Klaus an der Widerstandsbewegung in Berlin . Durch seine früheren Auslandsreisen ver- dächtig, wurde er im April 1943 wegen angeblichen Landesverrats ver- haftet und in das Zellengefängnis Tegel verbracht. Als man ihm mit der Verhaftung seiner Eliern, seiner Schwestern und seiner Braut drohte, falls er nicht Weiteres aussage, bekannte er vor seinen Schergen ohne Umschweife und Rückhalt, er sei von seiner christlichen Überzeugung her ein Feind des Nationalsozialismus. Mit anderen besonders Gehaßten wurde er am 7.Fe. bruar 1945 verschleppt und kurz vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen im Lager Flossenbürg auf Befehl Himmlers am 9. April gehängt zusammen mit Admiral Canaris und General Oster. Von seinen Gedichten stehe hier eines aus dem Frühsommer 1944 als Do- kument seiner Erlebnis- und Gestaltungskraft ebenso wie der Stärke seiner religiösen Haltung. Es wurde der Nachwelt dadurch gerettet, daß einer der Wächter die Originalhandschrift vor den Blicken und Nachforschungen der _ Späher in seinem Schrebergarten vergrub.

NACHTLICHE STIMMEN

Langgestreckt auf meiner Pritsche starre ich auf die graue Wand. Draußen geht ein Sommerabend, der mich nicht kennt,

singend ins Land.

Leise verebben die Fluten des Tages an ewigem Strand.

Schlafe ein wenig!