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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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daran, Christus und den Glauben zu verleugnen. Zu vierzig wollten sie die ewige Krone erlangen. Sie beteten füreinander, daß nicht einer aus ihnen Gott untreu würde. Während die Wächter des Staithalters Agrikolaus schliefen, blieb einer aus ihnen wach. Es war der Türhüter. Der erblickte auf einmal, wie von hellem Lichtschein umflossen Engel vom Himmel her- abkamen und neununddreißig Kränze an die Soldaten austeilten. Er dachte sich: Es sind doch vierzig! Warum nur neununddreißig Kränze? Da sah er, wie einer der vierzig Soldaten es vor Kälte auf dem Eis nicht mehr aushielt und in das nebenan bereitete warme Bad stieg. Einer also wurde untreu. Doch der Türhüter, tief ergriffen von dem, was er da gesehen hatte, bekannte sich jetzt laut als Christ, warf seine Kleider ab und stellte sich zu den Glaubenszeugen auf den zugefrorenen Teich. Wie die Schergen des Statthalters dies hörten, stiegen Wut und Empörung in ihnen aufs neue. Sie zerschlugen den neununddreißig tapferen Soldaten und dem Tür-

hüter mit Knütteln die Gebeine. Der jüngste der Märtyrer aber lebte noch.

Als die heldenhafte Mutter, die bei der grausamen Szene zugegen war, beobachtete, wie die Leiber der neununddreißig Soldaten auf die Karren geladen wurden zur Verbrennung auf einem Scheiterhaufen, während ihr Sohn, fast noch ein Kind, zurückgelassen wurde, weil die Frevler noch hofften, er werde sich zum Götzendienst bekehren, da nahm ihn die heilige Mutter selbst auf ihre Schultern und schritt hinter dem mit den Leichen beladenen Karren her. In ihren Armen gab der Jüngling seinen Geist auf. Sie aber warf ihr Liebstes auf den Scheiterhaufen zu den anderen.

Die Anwendung auf unseren Fall? Es befanden sich im KZ. Dachau vier- tausend Priester. Immer wieder hat man neu versucht, sie zu Apostaten, das heißt zu Abtrünnigen ihres Glaubens und Standes zu machen. Man hat sie mißhandelt, gefesselt, mit Füßen getreten und geschlagen, ja man hat sie hungern lassen und dann den Zerschlagenen und Halbverhungerten für den Verrat an Christus die Freiheit angeboten. Einer von diesen vier- tausend Priestern ist schwach geworden. Ich sagte ihm als Letztes:Du bist Priester in Ewigkeit. Seine erschütternde Antwort lautete:Aber der Hunger! Das geschah im Jahre 1942, wo im KZ. Dachau allein acht- hundert Welt- und Ordenspriester, von tapferen Bekennerlaien ganz zu schweigen, an Unterernährung und Hunger zugrunde gingen. Unter vier- zig Soldaten ward damals im christlichen Altertum einer untreu, unter vier- tausend im 20. Jahrhundert verriet ein Einziger seinen Herrn und Meister. Damals ergänzte einer von den Wachhabenden die durch den einen Un- treuen entstandene Lücke, in Dachau wurde für den einen, der Christus verriet, ein neuer Priester im KZ. geweiht. Unbegreiflich sind Gottes Wege, und wie wunderbar ist Gott in seinen Heiligen!

Bischof Piquet griff voller Freude unser Vorhaben auf. Gern übernahm er

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