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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Sehen gingen, blieb ich die Antwort schuldig. Da entfaltete er feierlich die Papierrolle. Eine gelbrote Sonne war daraufgemalt. Ihre Strahlen ver­goldeten die vier Worte, die in großen Buchstaben über diese Sonne ge­schrieben waren. Der Spruch aber hieẞ:

GOTT IST DIE LIEBE

Wir standen im Rauch des Krematoriums, den der Westwind herüberwehte, und man roch verbrannte Haare und Nägel. In den Invalidenbaracken star­ben die Menschen zur gleichen Stunde an übergroßem Elend. Eine Weile stand ich da wie von Sinnen, fand keine Worte, und der Rätselmann weidete sich an meiner Verwirrung. Dann sagte er: ,, Ich habe mir das nachts so ausgedacht. Wer diesen Spruch versteht, der braucht nichts weiter zu fragen. Das werde ich meiner Frau schicken."

War das nun nicht die Stimme des Herrn aus dem Grabe? Oder wie die eines Verschütteten?

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7.

Ich sah den Herrn über dem Antlitz eines entschlafenen Priesters. So dick und beißend in den Augen war der Staub im Arbeitsraum des Pfarrers Fränznick, daß ich durch das Fenster ihn manchmal nur wie in einem Nebel sah. Dazu lärmte seine motorgetriebene, große Teekräuterschneidmaschine den kleinen Raum unmäßig voll; der Boden war aus Zement und ließ die Füße erstarren. Trotz allem hielt Fränznick aus, obwohl er eine leichtere und angenehmere Arbeit hätte finden können. In der Typhuszeit ver­brachte er mit mir etwa zehn Wochen außerhalb des Lagers; wir waren damit auch vom Quell der Gnade, dem Tabernakel, abgeschnitten. Durch eine geheime Verbindung mit der Außenwelt gelang es uns, die heiligen Geheimnisse zwischen den Bettgestellen doch feiern zu können, und ich brachte meinem geistlichen Mitbruder, der nicht dabei sein konnte, die heilige Kommunion. Ich werde sein verklärtes Lächeln, das sich dann im­mer um seinen Mund zeigte, nie vergessen können. Er wußte sich sicher geborgen in Gottes Schutz. Vorbehaltlos vertraute er sich der Vorsehung an, dankbar dafür, daß sie ihn durch Leid und Einsamkeit führte. ,, Zu­frieden sein mit allem, was ein Tag bringt, will verstanden sein; ist es aber einmal so weit, dann gibt es der Freude und des innerlichen Glückes wirklich keine Grenzen", schrieb er einmal nach Hause. Seine reichlichen Paketgaben, die eine dankbare Heimat ihm zukommen ließ, verteilte er unter die andern. Besonders einem armen polnischen, jungen Mitarbeiter, einem Kind beinahe noch, war er ein sorgender, tröstender Vater. Da seine Ge­sundheit uns immer mehr Sorge machte, drangen wir in ihn, seine Stelle

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