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Sieger in Fesseln : Christuszeugnisse aus Lagern und Gefängnissen / herausgegeben von Konrad Hofmann, Reinhold Schneider, Erik Wolf
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Kantine zum ,, Troste" anbot. Es half auch mit seinem Rauchen und Qual­men aus, als die Kerzen zeitweilig knapp wurden.

Mit dem Tabernakel war uns Heimatlosen ein Stück Priesterheimat vom Himmel selbst geschenkt. ,, Die Volksgemeinschaft hat euch ausgestoßen". Mit diesen Worten hat uns der Lagerführer eingangs begrüßt. Dann stie­Ben sie uns hinein in den Irrgarten der Nacht, hinein in eine unaussprech­liche Wildnis. Der Tabernakel aber ließ uns die Orientierung wiederfinden. Jetzt war Nord und Süd wieder gut zu unterscheiden. Er stieg über die Mauern und riẞ mit derselben Hand, die den Sturm auf dem Meere stillte, die Wolken auseinander, so daß das Licht der Sterne tausendfach einfiel. War das Leid brunnentief, so grub Er der Gnade noch tiefere Brunnen, daraus die erquickenden Wasser quollen. Als der Todessommer des Jahres 42 Hunger, Seuche und Elend über unsere Leiber schüttete, da glühte die Sonne seiner Liebe unsere Seelen aus. Da der Herr im Tabernakel unter uns war, wurde die Wirrnis zum Tabor. Wir bauten die Hütten, die er den Aposteln versagte, und aus dem Erlebnis der Gottesnähe heraus sprach mancher: Hier ist gut sein. Die erste Hütte war die armseligste, aber Jesus war darin zu Gast, es war unser Herz. Die zweite Hütte war unsere Ka­pelle, zwar arm genug, aber umleuchtet von der Herrlichkeit Gottes , und die dritte Hütte war das Herz des Heilandes selbst, wo er uns Arme über­reich machte.

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Ich habe damals eine Predigt ausgearbeitet- ohne sie zu halten mit folgenden Punkten, die allen Regeln der Rhetorik auf die Füße treten: 1) bei Jesus ist es schön; 2) bei Jesus ist es noch schöner; 3) bei Jesus ist es unendlich schön. So etwas konnte natürlich nur im Lichte der Da­chauer Moorkapelle wachsen und würde vom Leben draußen in den ersten Stunden schon zehnmal überfahren. Aber so ist es eben einmal, wenn die Nacht zum Tage wird und tausend Sonnen statt einer zu glühen beginnen. Nein, es hatte schon im großen Weltgeschehen seinen Sinn, daß wir litten, hungerten und froren, daß sie uns in den Schatten der Volksgemeinschaft stellten. In der Tat, ohne Neid schauten wir durch die Gitter des Sta­cheldrahtes in eure armselige Freiheit hinaus, wo die Werke Gottes nur halb offenbar werden. Was waret ihr arm gegen uns! Dachau war Gnade, um die man Gott freilich nicht bat, weil sie gar so herb schmeckte. Den Er aber namentlich und einzeln hinausrief und zeichnete, nachdem er ohne Vorbehalt sprach: Suscipe, Domine universam meam libertatem, Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit, den überschüttete Er mit Gnaden ohne Maß und schenkte sich ihm selbst.

Die polnischen Priester waren ärmer als wir, denn sie durften nicht in die Kapelle. Wir arbeiteten in den Kommandos beieinander. Ich kann es nie mehr vergessen, wie mich der eine oder andere so innig bat, ihm doch den

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