Im Juli 1937 wurde Constantin v. Dietze, Professor der Nationalökonomie an der Universität Freiburg , erstmals verfolgt. Er hatte für den verhafteten Pfarrer einen Gottesdienst der Bekennenden Gemeinde in der Heilig- GeistKirche zu Potsdam gehalten. Dafür wurde er 11 Tage lang eingesperrt und angeklagt wegen Störung eines Gottesdienstes, Hausfriedensbruchs und Abhaltung einer nicht angemeldeten Versammlung. Seit 1937 befreundete er sich mit Dr. Goerdeler. Auf dessen Anregung verfaßte er wirtschafts- und sozialpolitische Ausarbeitungen für eine künftige Regierung. Am 8. September 1944 verhaftete ihn die Gestapo . Man hielt ihn im Berliner Gefängnis, Lehrterstraße 3, und im Konzentrationslager Fürstenberg in Mecklenburg gefangen. Die Anklage lautete, daß er sich ,, an den Putschvorbereitungen des Verräters Goerdeler und seiner Hintermänner durch Vorschläge für die wirtschafts-, sozial- und kulturpolitische Neugestaltung des Reiches beteiligte, wobei er wußte, daß der Umsturz durch einen Gewaltakt gegen den Führer ausgelöst werden sollte, und sich daher als Hoch- und Landesverräter außerhalb der Volksgemeinschaft gestellt hatte( Verbrechen nach§ 80 Abs. 2,§ 83 Abs. 2 und 3 Nr. 1,§§ 91 b, 47, 73 St. G. B.)". Die Anklage wurde infolge der Verbombung des Volksgerichtshofes so spät erhoben, daß die mündliche Verhandlung dank der raschen Abwicklung der kriegerischen Ereignisse nicht mehr stattfand. Sonst wäre unzweifelhaft Todesurteil ergangen. Als die russischen Truppen sich bis in die Nähe des Gefängnisses vorgekämpft hatten, erfolgte die Entlassung.
CHRISTENGEIST HINTER GEFANGNISMAUERN
Im Sommer 1937, kurz nach der Verhaftung Niemöllers, wurden nach und nach 67 evangelische Pfarrer in das Potsdamer Gefängnis eingeliefert. Fast alle waren beschuldigt, durch die Abkündigung der Kollekten der Beken nenden Kirche gegen das staatliche Sammlungsverbot verstoßen zu haben. Ich selbst wurde festgesetzt, weil ich als Laie im Auftrage des Bruderrates anstelle des verhafteten Pfarrers den sonntäglichen Gottesdienst gehalten hatte. Als ich nach vierstündigem Verhör durch einen wenig angenehmen Gestapobeamten ins Polizeigefängnis eingeliefert wurde, fragte ich den Wachtmeister, ob ich mein Neues Testament , das ich in der Tasche trug,
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