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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Hunderte, erstickt, halbverkohlt, verbrannt, viele waren von der Hitze ausgetrocknet, so daß ein Erwachsener nicht größer erschien als ein Knabe. Die Frauen hatten häufig die Röcke auf­geschürzt, um besser laufen zu können, so lagen sie da, die Kinder mit verzerrten, aufgerissenen Mäulchen an die Brust gezogen, die verkohlten Säuglinge in eine versengte Decke gewickelt, mit ihren ausgestreckten, dicken Beinen lagen sie da, Löcher in den Strümpfen und verbrannte Schuhe an den Füßen. Häufig saßen sie verkohlt auf Stufen und Treppen, nur einen verbrannten Säugling an der Brust. Gott stehe mir bei!

Das Frauengefängnis, in dem Frau Beate einmal in Haft war, hatte einen Volltreffer erhalten, es war nichts als ein großer Schutthaufen. Seine vierhundert Häftlinge, die es an diesem Tage zählte, hatten nicht lange zu leiden gehabt. Auch Assessor Müller II, der geschniegelte und gebügelte Untersuchungsrichter, war umgekommen. Frau Beate las es in der Zeitung und freute sich darüber, offen gestanden. Sie gönnte ihm dieses Ende. ,, End­lich hat es auch einen wirklichen Schurken erwischt!" rief sie aus. ,, Allen Spitzeln und Henkern und schamlosen Lumpen soll es so ergehen!"

In der Stadt machte man dem Gauleiter den Vorwurf, daß er das bischöfliche Palais beim ersten Alarmsignal aus lauter Angst verlassen habe, um sich in seine unterirdischen Gemächer in der ,, Burg " zu flüchten, wie er es stets bei Luftangriffen tue. Aber es war völlig unsinnig, ihm Angst vorzuwerfen. Der Gauleiter kannte keine Angst, er war im Gegenteil mutig bis zur Tollkühn­heit. Es war bekannt, daß er sich beim Marsch zur Feldherrn­ halle , als man mit Maschinengewehren auf sie schoß, erst dann zu Boden warf, als zwei Kameraden an seiner Seite getötet wur­den. Nein, nicht aus Angst zog er sich bei Luftangriffen nach Einstetten zurück, sondern aus dem einfachen Grunde, weil er sich in seinem privaten Leben nicht im geringsten von Engländern stören lassen wollte, die er als ein ,, degeneriertes Volk" ebenso verachtete, wie er die Amerikaner schätzte.

An jenem Unglücksabend feierte er in der, Burg" ein kleines Fest mit seinen Parteifreunden und befand sich überhaupt nur bis neun Uhr im bischöflichen Palais. Sturmführer, Obersturm­

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