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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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und ihre Kinder werden an Stöcken blind durch die Gassen wanken! Es hörte sich an wie ein schauerlicher Fluch.

Allmählich wurde es dunkel, der Streifen an der Türe wurde schwarz. Jemand zündete irgendwo eine Kerze an.Ich habe noch einen kleinen Stumpen gefunden! Im trüben Licht der Kerze sah man blasse, erstarrte Gesichter, tränende, frostrote, verängstigte, vom Grauen erfüllte Augen. Die Unterhaltung lebte wieder auf und alle wandten den Blick nach dem fahlen Lichtschein wie auf etwas Wunderbares, Glückverheißendes, das leise Hoffnung einflößte. Dann erlosch das Licht langsam und die Gespräche schliefen wieder ein.

Es wurde still im Wagen. Die Menschen schliefen auf Kisten und Ballen, auf Menschenleibern, auf dem Boden, man vernahm Schnarchen da und dort. Die Kälte aber drang wie Eis durch die Türspalte.

Wenn wir nur erst im Getto wären, flüsterte die Haus- dame mit den langen weißen Haaren, die Rosa auf dem Schoß hielt. Marion hatte auf ihren Knien die kleine Meta in ihren Mantel gehüllt.

Aus dem Personenwagen hinter der Lokomotive drang grölen- des Singen und Gelächter.

| XIV

Am nächsten Morgen fegte der Schnee so dicht an der Spalte vorbei, daß einzelne Flocken in den Wagen drangen, wo sie auf blaugefrorenen Gesichtern und frostroten Händen langsam ver- gingen. Auf Mänteln, Koffern, Kisten und Säcken blieben sie liegen, so daß der Wagen wie eingeschneit aussah. Der steife Hut Simons, der dicht bei der Spalte saß, war voller Schnee, und sein breiter Bart war steif wie ein Brett. Der Tropfen unter seiner blauen Nase war zu einer Eismasse gefroren.

Hatte man den Transport vergessen? Nicht ein Stück Brot, nicht einen Löffel Suppe, nicht einmal einen Schluck Wasser! Eine korpulente Frau mit vollem Busen lag erschöpft und keuchend auf dem Boden, die dicken Beine ausgestreckt, den

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