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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Schuld bekennen zige Möglichkeit, mgen, um ihm zu benötigte. Sie ge­aufforderte, ihm sunbedingt ver­eineswegs so, daß

sie empfand, zu e tat auch nichts, ültigkeit zu ver ler es liebte, sie übsch, um ihn zu es liebte, und es en Posen, die das Liköre, sein Essen, Heten ihre Schuld mehr. Sie täuschte

daß sie zu sagen, cht! Kein Mensch

en Gauleiter, den

e wußte, daß die

ein Wagen vor rden verhaftet. hiesigen Gestapo messen betrug. dürfen", bat ihn Ton. geistgasse in Ge ihrer Schicksals Männer saßen da Dame mit schnee

en. Sie hatte zwe

ei sich, auffallend

schöne und aufgeweckte Kinder, die Marion bekannt waren. Es waren die Mädchen eines Arztes, der in Birkholz gefangen saß, mit der Hausdame, die Rebekka hieß und von den Kindern Tante genannt wurde. Die Mutter war schon vor Jahren ge­storben.

Die beiden schwarzlockigen Mädchen, Meta und Rosa, be­grüßten Marion mit großem Jubel. ,, Wie schön, daß du auch bei uns bist, Marion!" riefen sie. ,, Nun sind wir nicht mehr so allein."

Marion war bis zur Dunkelheit mit ihnen beschäftigt, so daß sie zuweilen völlig ihre furchtbare Lage vergaß. Als die Nacht herannahte, erzählte sie ihnen Märchen, bis beide auf Rebekkas und ihrem Schoß einschliefen.

,, Tropfen um Tropfen, bis der Kelch voll ist!" jammerte ein alter Jude mit erschreckend tiefer Baẞstimme. ,, Habe Erbarmen, mein Herrgott!" Dieser Jude mit der tiefen Baẞstimme hieß Simon und war allen Leuten der Stadt bekannt. Er besaß früher in der Wilhelmstraße ein großes Geschäft für Südfrüchte und galt als reicher Mann. Als man ihm sein Geschäft wegnahm, das heute einem Parteianhänger gehörte, betrieb er einen Hausier­handel, Mamuschka hatte oft von ihm gekauft. Seine Frau, die den Verlust des Geschäfts nicht verwinden konnte, nahm sich das Leben. Das war zuviel für einen Mann. Seitdem war Simon etwas wunderlich geworden. Er hatte ein rotes Gesicht und rote, dicke Hände, einen grauen, breiten Bart und trug einen alten, steifen Hut, der ihm bis auf die Ohren herabsank und vom Wetter eine rötliche Farbe angenommen hatte.

,, Bald wird der Kelch voll sein, mein Herrgott!" rief er durch die Stille.

دو

, Gott hat eine schwere Prüfung über uns verhängt, und wir müssen sie in Geduld ertragen, Simon!" klang aus der Finsternis Mamuschkas Stimme. Sie war sehr religiös. Marion war ihr im tiefsten Herzen dankbar, daß sie ihr nicht die leisesten Vorwürfe machte. Nur ein einziges Mal hatte sie zu ihr gesagt: ,, Da siehst du nun, wohin es führt, wenn man sich mit den Verruchten ein­läßt, Marion. Du hast deine Strafe weg, und ich mit dir, weil ich dich nicht abgehalten habe!"

Die primitive Kammer war ungeheizt und in der Nacht eisig

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