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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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,, Sie sind eine gute Frau!" sagte sie mit heiserer Stimme. ,, Ich kann sehen, wenn ein Mensch gut ist, und Sie sind eine gute Frau!" Erst jetzt sah Frau Beate, daß die junge Frau ein blau­weißes Kattunkleid nach der Art der Köchinnen trug, zu dem das gelbe Kopftuch schlecht paßte.

Sie fühlte sich hilflos und antwortete verlegen, nur um etwas zu entgegnen: ,, Was sagen Sie da? Ich verstehe Sie nicht."

Aber die junge Frau mit den pfiffigen Augen fiel ihr ins Wort: ,, Ja, ich weiß es", sagte sie ,,, Gott hat mir die Gabe verliehen, auf den ersten Blick zu sehen, ob ein Mensch gut ist oder schlecht. Und trotzdem werde ich auch Ihnen nicht seinen Namen nennen, sehen Sie!" Sie lachte sonderbar.

,, Wessen Namen denn?" fragte Frau Beate.

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,, Nun, seinen Namen, den Namen des Mannes, der das Unglück über mich gebracht hat", antwortete die Frau mit den pfiffigen Augen und lachte.

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Die dicke Frau auf dem Bett schob sie etwas derb mit dem Fuß zurück. ,, Schwätze doch nicht so dummes Zeug, Käth­chen!" herrschte sie die junge Frau an. ,, Du glaubst, jeder Mensch interessiert sich für deinen Unsinn!" Augenblicklich standen die pfiffigen Augen voller Tränen. ,, Das Käthchen ist sonst kein schlechter Mensch", wandte sie sich an Frau Beate. ,, Sie ist Käth­chen Alix von der, Wirtschaft zum Karpfen' in Einstetten, wo es früher die guten Karpfen gab. Sie war viele Jahre hindurch als Köchin im Frauenlager Weresdingen, wo man sie halbtot ge­prügelt hat. Jetzt ist sie hier und soll vor dem Volksgerichtshof erscheinen. Aber setzen Sie sich doch endlich, liebe Frau. Ich kann ja sehen, daß es Ihnen ganz schwarz vor Augen wird, Sie sind andere Dinge gewöhnt."

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Frau Beate setzte sich auf den Bettrand neben die Dicke. Sie war in der Tat nahe daran gewesen, ohnmächtig zu werden.

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Atem anhielt

,, Und das hier ist Frau Rüdiger", fuhr die gesprächige Dicke mit den roten Wangen fort und deutete auf die Frau mit dem eisgrauen Scheitel. ,, Sie ist die Witwe eines Steuerbeamten und hat entsetzliche Angst, daß man ihr den Kopf abschlagen wird."

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Die ärmliche, aber sauber gekleidete ältere Frau Rüdiger hielt sich beide Ohren zu. ,, Wie roh Sie sprechen, Frau Lukasch!" rief

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bestraft ist."

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