Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
366
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einen Schacht bis zum Keller ausgehoben, sie arbeiteten in einer Wolke von Qualm und Staub, obschon ein leichter Regen herab- rieselte. Fabian warf seinen Mantel auf den Schutt und begann mit ihnen fieberhaft Mauersteine und angekohlte Balken zur Seite zu räumen. Seine Handschuhe gingen in Fetzen, seine Hände bluteten.

Ich suche meinen Jungen! keuchte er.

Hier ist keine Maus mehr am Leben, antwortete trocken ein Soldat.

Als es heller wurde, hatten sie die Kellertüre freigelegt und mit einer Axt zerschlagen. Dahinter aber lag ein neuer Schuttberg, Zehntausende, Hunderttausende von Mauersteinen, Balken, Eisen- träger.

Als es wieder dunkel wurde, hatten sie den ersten Toten vom Bürgerschutz drei geborgen, und um Mitternacht lagen alle zwanzig Jungen fahl und starr im sprühenden Regen auf dem Bürgersteig. Es waren Söhne angesehener Bürger, Gymnasiasten fast alle. Auch Robby lag unter ihnen, man hatte ihn in der Ecke beim Telefon gefunden. Oberst von Thünen kam in seinem Wagen angefahren, er stand eine Minute ernst vor den Toten, während er die Hand militärisch grüßend an die Mütze legte, Dann fuhr er wieder ab, er hatte Dienst.

Nicht im Felde ist er gefallen, dachte Fabian, er war noch nicht einmal im militärpflichtigen Alter und starb in einer siche- ren Stadt.

Ein Feuerwehrmann brachte ihn völlig erschöpft und ge- brochen nach Hause.