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ich euch keine Torte zum Kaffee bestellen, wie ich es eigentlich vorhatte.“ »Wir streiten ja nicht, Papa!“ erwiderten die Jungen wie aus einem Munde.
Schließlich bat Fabian Robby noch, die Geschichte vom Stol- perchen für ihn allein aufzuschreiben, und Robby willigte ge- ‚schmeichelt sofort ein.
Die Nachricht, daß der junge Wolf von Thünen das Ritter- kreuz bekommen hatte und zum Hauptmann befördert wurde, war das Tagesgespräch der Stadt, und Gauleiter Rumpf hielt es für angemessen, den ersten Ritterkreuzträger seines Gaues durch eine Öffentliche Ehrung auszuzeichnen. Im festlich geschmückten Rathaussaal stellte Oberst von Thünen den geladenen Gästen am Abend seinen tapferen Sohn Wolf vor, den die Versammlung mit tasendem Beifall und lauten Heilrufen begrüßte. Wolf hielt dann eine kurze Ansprache. Obwohl er seine kleine Rede auswendig gelernt hatte, sprach er schlecht und'stockend und mitten im Satz brach er ab. Da aber stürmte die Baronin von Thünen auf das Podium und umarmte und küßte ihren Sohn stürmisch. Der Beifall wollte nicht enden.
Den Schluß der Feier bildete eine kurze Rede des Gauleiters mit dem Thema:„Warum wir siegen müssen.“
„Wir mußten siegen, weil kein Volk eine solch todesmutige Armee besitzt“, führte er mit markiger Stimme aus,„weil das Volk von einem neuen, revolutionären Geist beseelt ist und revolutionärg Armeen immer gesiegt hatten, weil wir um unser Recht kämpften, das uns die Welt bis heute vorenthielt, und schließlich, weil wir um unsere Existenz kämpften!“
Den Schlußsatz brüllte er in der gewohnten Art in den Saal, während er die Arme wie in Raserei in die Höhe streckte.
Am nächsten Tag erfuhr man durch die Zeitung, daß der - Gauleiter die Mutter des neuen Ritterkreuzträgers Wolf von
zur Kommandantin des Roten Kreuzes der Stadt er-
nannte,
»-Kommandantin des Roten Kreuzes! Baronin von'Thünen ‚war selig. Endlich hatte sie eine ihren Kräften und ihrer glü- ‚henden Vaterlandsliebe angemessene Aufgabe erhalten. Vom
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