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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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früh um vier Uhr verladen und ging jubelnd ins Feld. Der. Oberst telefoniert mit Gott und der Welt, um sich zur Verfügung zu stellen, damit er ja nichts versäumt. Wahrhaftig, es ist eine Lust zu leben!

Martha erzählt, die ganze Stadt sei in heller Aufregung!

In heller Aufregung? rief die Baronin und lachte.Sie ist außer Rand und Band! Mitten in der Nacht wurden die Männer aus den Betten geholt, selbst alte Landsturmleute. Sie wurden in Zivil an die polnische Grenze transportiert, um dort eingekleidet zu werden. Ein neuer, verwegener, todesmutiger Geist beseelt die gesamte Armee! Unsere Truppen sollen schon fünfzig Kilo- meter in Polen eingedrungen sein. Ich beabsichtige, meine Kräfte dem Roten Kreuz zur Verfügung zu stellen. Kommen Sie doch um fünf Uhr zum Tee zu mir, Liebste, es gibt ja tausend Dinge zu besprechen!

Ich werde pünktlich sein!

Die Stadt war wie besessen! Braune und schwarze Partei- txuppen zogen in Kolonnen durch die Stadt und grölten sieges- gewisse und siegestrunkene Lieder. Tausende von Bürgern, aus- gebildete Soldaten, Handwerker und Beamte, hatten seit Stunden - sehon ihre Frauen und Kinder verlassen und fuhren einem un- gewissen Schicksal entgegen, viele sorgenvollund niedergeschlagen, - bis die Kriegstrunkenheit der Kameraden sie mit fortriß. Die Sondermeldungen im Radio jagten sich. England und Frankreich hatten Deutschland den Krieg erklärt, da konnte man wirklich mr lachen! Mit einem einzigen genialen Schachzug hatte die Weisheit des Führers sie schon mattgesetzt, bevor sie auch nur &ine Kanone auffahren konnten. Einige Wochen früher hatte er einen Sondervertrag mit Rußland abgeschlossen! England und Frankreich begingen glatten Selbstmord. Die Menschen redeten aufgeregt durcheinander, nur ganz wenige blieben still und schwiegen.

Da an eine vernünftige Arbeit nicht zu denken war, schloß Fabian seine beiden Büros. Er war bis ins tiefste seines Wesens aufgewühlt. Als ehemaliger Hauptmann und begeisterter Soldat fiel es ihm schwer, anders als militärisch zu empfinden und wenn er alles recht bedachte, schien ihm die einzig mögliche Lösung

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