Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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m Willen. Wir er ien? Sehr richtig

fassung. Ja, aud lauter Verehrun maha! Wie meine

Sehr gut, äußers rhalte Ihnen Ihn

rde ich natürlid Bestreben, in all Begeisterung, de ms Leben zu rufen igenossin, in diese ungen des blinden errichten." Auszeichnung und

Ich bitte, rauche hrend er Clotild net zu plaudern

Fforderung ger Zigarette genieße Herr Gauleiter!

begann erneut in ganz leidlich

zu

m Tee einlade, so nicht. Aber sie ist er, die Falten an

kein Puder mehr, e Majorin Silber then aufweist,

Von

der schönen Charlotte ganz abgesehen, oder an die reizende Marion, die nichts ist als Jugend und Frische! Nein, ich werde sie nicht zum Tee nach Einstetten einladen.

,, Wieviel Kinder haben Sie vom Regierungsrat?" fragte er unvermittelt, indem er stehenblieb.

,, Leider nur zwei", antwortete Clotilde verlegen. ,, Zwei Jungen", fügte sie hinzu, um weniger beschämt dazustehen.

,, Nur zwei Kinder!" lachte Rumpf verächtlich. ,, Eine frische, blühende, rassige Frau wie Sie und nur zwei Jungen? Sie müßten heute sechs Jungen wie die Orgelpfeifen haben und das Mutter­kreuz tragen."

Clotilde errötete. ,, Ich würde es voller Stolz tragen?" rief sie aus und wandte Rumpf das errötete Gesicht zu.

Rumpf lachte nickend. ,, Bei Gott , es würde Ihnen herrlich zu Gesicht stehen", sagte er. ,, Schade, daß ich Sie nicht dafür vor­schlagen kann. Zwei Kinder, das werden Sie zugeben, ist etwas zu wenig. Erlauben Sie noch eine Frage", fuhr er fort, während er ein Auge zukniff ,,, sind die beiden Jungen vom Regierungsrat?" Clotilde erschrak und wandte den Blick ab. Sie wurde blut­rot, der Rauch ihrer Zigarette stieg ihr in die Nase. Diese un­verschämte Frage hätte sie bei jedem anderen empört, von einer so hochgestellten Persönlichkeit aber nahm sie sie als wohl­wollendes, vielleicht ungeschickt ausgedrücktes Interesse hin. Sie antwortete indessen nichts darauf.

Plötzlich lachte Rumpf ohne jeden Grund laut auf, die schlecht verhüllte Verlegenheit Clotildes belustigte ihn. ,, Ver­zeihen Sie", hub er wieder an und griff nach einer neuen Zigarre auf dem Schreibtisch ,,, ich sehe, Sie sind zu zimperlich für eine solche Frage. Aber Sie wissen: You never can tell! Ich wage es nun gar nicht mehr zu fragen, aus welchem Grunde Sie ge­schieden wurden, obschon ich sehr neugierig bin." Er lachte vor sich hin und begann wieder im Saal hin und her zu gehen, und wo er ging, schwebten lange die blauen Rauchfahnen seiner Zigarre in der Luft. ,, Vielleicht ist es mit dem Regierungsrat gar nicht leicht zu leben, wer kann es wissen?" fuhr er fort, indem er stehenblieb. ,, Es gibt Männer, die sich völlig verändern, so­bald sie ihr Haus betreten, nicht wahr?"

SO

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