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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
262
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habe schlecht, sehr schlecht an ihm gehandelt, oh, sehr schlecht!" Sie streifte langsam den Ring mit dem kostbaren Stein vom Finger und schleuderte ihn zusammen mit der silbernen Zigarettenspitze auf den Boden. ,, Ich will diesen Kram gar nicht! Er ekelt mich an!" rief sie mit flammenden Wangen aus, und ihre schönen Augen schwammen in Tränen.

Fabian erhob sich nach einer Weile und bat, sich verabschieden zu dürfen.

Es war spät geworden, als er in sein Zimmer zurückkehrte. Seine finsteren Gedanken überfielen ihn, sobald er wieder allein war, aber der Sekt, den er bei der schönen Charlotte genossen hatte, verlieh ihm mehr Mut. Vielleicht sind es nur Albern­heiten, die du dir einbildest, sagte er zu sich. Wahrscheinlich wird sich in wenigen Tagen alles aufklären, und du hast dir ganz umsonst das Herz schwergemacht. Jedenfalls wird es das beste sein, du schläfst erst einmal darüber. Morgen kann ein Brief von Christa da sein und alles wird anders aussehen. Du hast noch immer Zeit, diesen Brief zu schreiben, vergiß dies nicht.

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Am andern Morgen erwachte Fabian ermüdet und völlig apathisch, es war schon ziemlich spät. Er hatte nicht die geringste Lust, zu arbeiten, und bat seinen Vertreter, an seiner Stelle einen Termin beim Gericht wahrzunehmen. Die losen Blätter des Abschiedsbriefes an Christa verschloß er in seinem Schreib­tisch, ohne einen Blick hineinzuwerfen, ganz als seien es Schrift­stücke eines fremden Menschen, so gleichgültig war ihm alles. Es kam kein Brief von Christa, aber als er sich rasierte, klopfte der lange Vogelsberger an seiner Türe, um ihm mitzuteilen, daß der Gauleiter ihn um ein Uhr zum Frühstück im ,, Stern" be­fehle. ,, Madame Austria wird auch anwesend sein."

Diese Einladung empfand er als eine hohe Ehre, und sie be­lebte ihn ein wenig. Es war das erste freudige Gefühl, das ihn seit Tagen erfüllte.

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