Heftigket
einer dunk ME
Beide schwiegen und lauschten auf die Windstöße. Manchmal ging ein Krachen durch den Dachstuhl, irgendwo draußen im Garten®splitterte ein Ast und schlug dumpf auf.den Boden.
Lange saß Gleichen und starrte mit düsteren Augen vor sich hin. Zuweilen trank er einen Schluck, dann starrte er wieder auf den Boden.
Endlich sagte er:„Eines ist mir noch nicht klar, Professor, weshalb brachen die demokratischen Mächte mit dem König der Hochstapler nicht augenblicklich die Beziehungen ab, als er ins Rheinland einmarschierte? Weshalb nicht? Ihr Einspruch hätte genügt! Sie kannten doch die skandalösen Vorgänge des Reichs- tagsbrandes, die das deutsche Volk nie erfuhr, und auch heute noch nicht kennt! Sie wußten, daß Verbrecher die Herrschaft in Deutschland ergriffen hatten. Weshalb warnten sie das deutsche Volk nicht? Weshalb ließen sie das deutsche Volk blind in seinen Untergang rennen? Heute sprechen sie Tag und Nacht von Humanität und Menschlichkeit. Sie mußten ja in tiefster Seele überzeugt sein, daß der König der Hochstapler Deutschland in den Abgrund stürzen würde. Wünschten sie seine Vernichtung? Fast scheint es, so! Das ist es, was ich bis heute nicht verstehe, Professor.“
Wolfgang antwortete nicht mehr. Er schlief. Es ging auf den Morgen.
Gleichen redete noch eine lange Zeit, obschon er keine Ant- wort mehr bekam.
„Rührselige Weihnachtslieder und gefühlvolle Volkslieder am Radio singen lassen und gleichzeitig Sozialisten mit Knüppeln totschlagen, das ist dieser Bande von Elenden würdig. Schmach und Schande, Schande und Schmach!“ knurrte er laut vor sich hin, dann wurde seine Stimme schwächer und schwächer.
„Täglich sinken wir tiefer und tiefer in den Morast von Lüge und Verderbnis“, sagte er noch halblaut vor sich hin.„Ich sehe den Tag des Untergangs vor meinen Augen!“ Schließlich schwieg er völlig.
Nun schliefen beide, während die Lampen im Atelier brann- ten und der Schneesturm das Haus umtobte.
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