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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Seine verschleierten grauen Augen, sonst von gedämpfter Glut erfüllt, flammten auf, als er fortfuhr: ,, Die Elenden! Was haben sie aus dem deutschen Volk gemacht? Sie haben es gespalten in Parteimitglieder und Parteilose, die nichts mit dem Skandal zu tun haben wollen, sie haben es in Religionen und Rassen gespal­ten. Sie haben nicht die guten Eigenschaften des Volkes gepflegt, sondern seinen schlechten geschmeichelt, seinem falschen Natio­nalismus, seinem Uniformfetischismus, seiner Eitelkeit, seiner Ordenssucht, seinem pathologischen Geltungsbedürfnis, seinem falschen militärischen Ehrgeiz!"

Gleichen hielt den Schritt an und schüttelte vor Verzweiflung den ergrauenden Kopf.

,, Wir stehen mittendrin, Professor", schrie er ,,, und niemand kann unseren Schmerz, unsere Trauer je ermessen, niemand!"

,, Und doch", fuhr Gleichen nach einer Pause fort ,,, und doch hätte dieser König aller Hochstapler, dessen einziger origineller Gedanke darin bestand, die Prügelstrafe wieder einzuführen, und doch hätte er alles aus diesem Volk machen können! Er könnte das gebildetste, gütigste Volk aus ihm machen, das schöpfe­rischste und edelste Volk, dem die Welt ihre Achtung nicht ver­sagt hätte! Ein Denkmal im Himmel hätte man ihm erbaut, und heute, heute wird man diesem Elenden ein Denkmal in der Hölle errichten. Tragisch, tragisch, unerhört tragisch!" stöhnte

Gleichen.

Dann ließ er sich erschöpft in einen Stuhl fallen und raufte

sich das Haar.

Das Atelier des Bildhauers war überheizt, aber ein heftiges Schneetreiben umtobte an diesem Abend das alte Bauernhaus, und wenn die Fensterwand unter einem Windstoẞ erbebte, so spürte man deutlich den eisigen Luftstrom im Raum und die Lampe an der Decke schwankte. Wolfgang lag in einer dunklen Ecke in einem niedrigen, abgenützten Sessel und rauchte seine Virginia. Neben ihm ragte eine lebensgroße Figur empor, die im Halbdunkel des Raumes fast weiß aussah. Das war der ,, Ketten­sprenger". Die Ausstellung in München hatte das Werk unter fadenscheiniger Begründung abgelehnt. Es war nur natürlich, daß Wolfgang sich zur Zeit nicht in der rosigsten Stimmung be­

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