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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
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Einige Tage darauf erhielt Sanitätsrat Fahle ein überaus höf­liches Schreiben vom Direktor des Krankenhauses, von dem­selben Doktor Sandkuhl, der das abscheuliche Buch über die Juden geschrieben hatte. Der Direktor erklärte sich glücklich, dem hochverehrten Gelehrten sein Forschungsinstitut wieder mit allen Rechten übergeben zu können. Er bäte nur, daß das Kran­kenhaus in notwendigen Fällen das Institut benutzen könne. Das eigene Forschungsinstitut, dessen Bau gestern durch den Herrn Gauleiter beschlossen wurde, werde erst im Sommer fertiggestellt sein.

,, Es geschehen wahrhaftig noch Wunder in unserer Zeit", sagte Fahle beglückt. ,, Nun, wer weiß, vielleicht kommen sie doch endlich zur Vernunft?"

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,, Wahnsinnige! Tollhäusler! Besessene! Ich gebe Ihnen mein Wort, Professor, man wird sie nach der Teufelsinsel verschicken, wo sie sich gegenseitig totschlagen können!"

,, Ihr Wort in Gottes Ohr, Gleichen!" sagte Wolfgang in seiner Ecke. Es war spät in der Nacht.

,, Sie werden dem tschechischen Präsidenten Gift in den Wein geschüttet haben, vielleicht haben sie ihn auch chloroformiert! Skandal über Skandal! Sie werden sehen, Professor, morgen kommt ein telegrafischer Hilferuf aus Prag , ganz wie er seiner­zeit aus Wien kam. Ich wette mit Ihnen, was Sie wollen. Lüge, Betrug, Hinterlist, Verruchtheit, wohin man blickt!"

,, Trinken Sie, Gleichen!" rief Wolfgang und lachte laut auf, als Gleichen in verzweifelter Gebärde die Arme zum Himmel emporstreckte.

Gewöhnlich äußerst beherrscht und ruhig, war Gleichen heute in förmliche Raserei geraten. Er ging mit großen Schritten im Atelier auf und ab und sprach laut und kräftig, als ob er vor einer großen Versammlung stände. Jede Silbe, jeder Buchstabe funkelte klar und schön und dabei fühlte man, daß aus jedem Wort seine innerste Überzeugung sprach.

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