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Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
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reich werden. Die Zuhörer wurden lautlos still und regten sich nicht mehr. Verdienen, verdienen! Reich werden! Die Begierde, Reichtümer zu erraffen, las man in allen Augen. Reich werden, heute, morgen, dann hatte das Leben wieder einen Sinn.

Halt! Etwas hatte Taubenhaus noch vergessen, nein, nicht ver­gessen, er vergaß nie etwas, ein Mann wie er, er hatte es bis zum Schluß aufgehoben: das Gemeinschaftshaus!

Das Gemeinschaftshaus? Auch das war ein Gedanke Fabians, aber er hatte das Gemeindehaus für die Zukunft als eine Art größeres Klubhaus vorgeschlagen. Taubenhaus aber wollte ein Haus von geradezu gigantischen Ausmaßen errichten! Es sollte der Gemeinschaft gehören, den Klubs, den Parteien, dem Sport. Parteien? Gab es denn etwas anderes als die Partei? Einen großen Konzertsaal würde es enthalten, Versammlungssäle, Be­ratungs- und Kongreßsäle, zwölf Stockwerk hoch sollte es empor­ragen, höher als der Dom, Wahrzeichen der Stadt, der Provinz, Wahrzeichen unserer herrlichen, großen Zeit!

Eine mit Ringen geschmückte Frauenhand fuhr in die Höhe, der Gauleiter hob die Rechte, und sofort erscholl Beifalls­geschrei.

Wo aber sollte das Gemeindehaus stehen? Er hatte sich wochenlang mit seinen Freunden beraten, und endlich hatten sie den geeigneten Platz gefunden. Im Hofgarten, auf der Höhe, wo sich heute der Friedenstempel erhob! Es war eine Anhöhe, die Stadt und Land beherrschte, der zierliche Friedenstempel, den die Stadt nach den Freiheitskriegen errichtete, hatte seine Auf­gabe erfüllt und mochte eine andere Stelle des Hofgartens zieren.

Dies war also sein Programm.

Halt! Noch eines! Taubenhaus brauchte Geld, Geld, Geld! Opfer, Opfer, Opfer! Der bekannte Gemeinsinn der Bürger­schaft müßte sich in neuem Glanze bewähren. In seinem Vor­zimmer liege eine Liste auf, niemand sollte sich schämen, zu zeichnen, ganz wie er sich nicht schämen würde, nachzusehen, was jeder gezeichnet hatte!

,, Nein, ich werde mich nicht schämen, auf das genaueste nach­zusehen!" schrie er. Damit verbeugte er sich. Er war zu Ende

Institut für neuere deutsche Literatur

Justus- Liebig- Universität Otto- Behaghel- Str. 10, 6300 Giessen

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