war, nicht völlig klar vor sich, wie eine Straße in der Morgen- dämmerung lag er vor ihm. Aber er wußte, daß er ihn zum Ziele führen würde.
Das Geschäft des Schneiders März war völlig leer, und da ihm nichts erwünschter sein konnte, als völlig unbeobachtet zu sein, trat er ein. Es war ja schließlich auch nötig, daß er sich um seine Wintergarderobe kümmerte, wozu er während seines Urlaubs keine Gelegenheit hatte. Der schneeweiße, schmächtige, fast durchsichtig erscheinende Schneidermeister März, zu dessen besten Kunden er zählte, begrüßte ihn mit devoter Zuvorkom- menheit und holte sofort den neuen Wintermantel aus einem Schrank.
„Mit dem Mantel kann ich mich überall sehen lassen“, sagte Fabian und betrachtete sich befriedigt im Spiegel.
„Überall!“ erwiderte März mit der leicht heiseren Stimme eines alten Mannes.„Mit der schönsten jungen Dame der Stadt können Sie getrost Arm in Arm durch die Wilhelmstraße spa- zieren!“
Fabian lachte. Er liebte Schmeicheleien, auch wenn sie plump waren. Dann bat er Muster für Winteranzüge sehen zu dürfen, und der Schneider holte Stoffbündel aus den Regalen und warf sie auf den Ladentisch. Fabian wünschte gerne einen Stoff, den nicht jeder Beamte und Verkäufer trug, und wählte schließlich ziemlich auffällige Muster.
Während er seine Stoffe aussuchte, streifte er öfter einige dicke Ballen brauner Stoffe, wie man sie zu den Uniformen der Partei trug, mit den Blicken.„Schöne Stoffe!“ lobte er und prüfte das Tuch zwischen den Fingern.
„Erstklassige Ware, einfach unverwüstlich!“ versicherte der Schneider, das Metermaß um den Rockkragen gehängt.„Sind Sie inzwischen schon bei Habicht gewesen, um sich eintragen zu lassen?“
Fabian schüttelte den Kopf.„Sie wissen, ich war wegen einer Herzgeschichte vier Monate auf Urlaub.“
„Ja, das weiß ich. Nun aber bleiben Sie ja wohl vorläufig hier bei uns? Sie kennen doch Habicht, den Leiter der Orts-
gruppe?“


