Druckschrift 
Totentanz / Bernhard Kellermann
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
  

heftig Brü-

h aus

-

a

sein! n Ge-

ven bei

reilen.

Iring-

ä E =

Er SE a

Was ist die Königin Viktoria gewesen gegen die beiden Durch- lauchten Cäcilie und Angelika, hahaha! rief sie lachend aus.

Nein, auf ihre beiden Schwägerinnen war sie nicht gut zu sprechen, das konnte man wohl nicht sagen. Sie verachtete sie noch mehr als ihre Brüder, deren Hörigkeit und Verschwen- dungssucht sie mit Spott übergoß. Wenn sie auf dieses Thema zu sprechen kam, konnte man sie schwer davon abbringen.

Da war zunächst Cäcilie, die Frau des Ingenieurs Hugo, nun, was war sie schon früher? Eine kleine Sängerin mit einer hohen Stimme wie eine Blechtrompete. Über ihr Vorleben wollte sie sich nicht näher auslassen, nein, das konnte sie Christa nicht zu- muten. Dann war da die Angelika von Otto, sie hieß früher Anna und war nichts als eine kleine Buchhalterin, ihr Vater war Schneider, was ja keine Schande ist. Aber heute, da spielten sich die beiden Weiber auf, als seien sie aus königlichem Geblüt, weiß Gott ! Und da waren die Kinder, die drei Jungen von Hugo und die beiden Mädchen von Otto, fünf im ganzen. Aber, wie sie sich zu bemerken erlaube, alles reinste Wunderkinder! Nichts als Wunderkinder!Sie hatten einen Schwarm von Erziehern und Lehrerinnen, Bonnen und Nurses, und das alles kostete natürlich Geld, schandhaftes Geld, und ihre Strohköpfe von Männern bezahlten es! schloß Frau Beate.Es dürfte Sie als Anwalt interessieren, mein Freund.

Gewiß, ich erhalte interessante Einblicke, gnädige Frau, ant- wortete Fabian lächelnd, obschon er nur mit halbem Ohr hin- hörte, denn die meisten Geschichten kannte er schon. Christa goß ihm lächelnd eine neue Tasse Tee ein und reichte ihm mit halblauter Stimme Kuchen. Er streifte sie zuweilen mit demBlick.

Ja, wie ist ihr Lächeln nur? fragte er sich wieder. Es gibt tau- send Arten von Lächeln, aber das ihre bezaubert. Es ist ver- schwenderisch! Was lächelt eigentlich an ihr? Die Lippen, die Grübchen und Wangen, die Stirn, die Augen, was noch? Es ist wie eine geheimnisvolle Sprache, die ich nur in den Augen- blicken, da ich bei ihr bin, verstehe. Jedenfalls ist es rätselhaft und unergründlich. Er bemühte sich, Christas Blick zu meiden. Ihr Lächeln scheint in die Tiefen meines Wesens einzudringen, wohin sonst nichts reicht, dachte er weiter.