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,, Sie kennen ja Wolfgang", mischte sich Gleichen ein. ,, Er ist nie zufrieden. Ich behaupte aber, auch nur die kleinste Veränderung wäre ein Verbrechen."
Der Bildhauer lachte. ,, Am Rücken ist noch manches zu verbessern", widersprach er. ,, Aber was soll ein Schulmeister schon von einem Rücken verstehen? Nun, noch vier Wochen und dann mache ich Schluß. Ich verspreche es Ihnen, Gleichen!" Er gab viel auf Gleichens Urteil.
Gleichen war nichts als ein kleiner Schullehrer, aber als Schriftsteller äußerst geachtet. Er schrieb besonders für Kunstzeitschriften.
Fabian kannte den ,, Kettensprenger" seit langer Zeit. Wolfgang arbeitete seit einem Jahr daran. Monatelang stand er zuweilen, in feuchte Lappen eingehüllt, unbeachtet in einer Ecke des Ateliers. Nun freute es ihn, daß Wolfgang die Arbeit endlich zu Ende gebracht hatte und sie ihm ganz außerordentlich gelungen zu sein schien.
Es war die Gestalt eines zarten Jünglings, der mit verhaltener Kraft und einem unmerklichen Lächeln der trotzigen Lippen die Glieder einer Kette über dem Knie sprengte. Nichts sonst. Die leicht vorgeneigte Haltung des Jünglings, das Aufatmen und Dehnen seiner Brust, die gebundene und unwiderstehliche Ballung seiner Kräfte schienen Fabian schlechthin vollendet. Wolfgang verabscheute alles Übertriebene, Gewaltmäßige, Brutale, ,, mit Muskeln macht man keine Plastik", sagte er. Fabian gab seiner Bewunderung Ausdruck.„ Herrlich!" sagte er. ,, Vielleicht konnte nur ein Meunier ähnlich empfinden." Er zeigte sich gerne geistreich und vielseitig.
,, Sprich nicht, ich bitte dich", unterbrach ihn Wolfgang. ,, Worte haben noch nie ein Kunstwerk geschaffen, aber schon manches zerstört." Er zog an seiner Virginia und blickte, zuweilen mit den Augen blinzelnd, prüfend auf die Figur.
Erst jetzt sah Fabian, daß die Figur einen Sockel bekommen hatte, auf dem die Worte ,, Lieber tot als Sklav" eingegraben
waren.
,, Der Kettensprenger hat ja neuerdings einen Wahlspruch bekommen?" sagte er. ,, Oder habe ich es früher übersehen?"
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