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Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
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Was ist dort geschehn?- Der Stock, er entsinkt, sinkt dem Henkersknecht aus der Hand...- Schaut hin, die Dachauer Erde, sie trinkt-

ja, es trinkt wieder Blut der Sand.-

Da liegt er, der Trommler, und rührt kein Glied,

alle Qual ist für ihn vorbei-

er trommelte dumpf sich sein Leichenlied,

riẞ die Halsader sich entzwei.-

Er löste vom Schuhe das Eisen los

eh einer es hindern gekonnt,

seine Schmach und Qual war übergroß

und er starb, ein Held unsrer Front.-

Hohn sprach der SS er durch seinen Tod,

er nahm ihr den Stock aus der Hand,

er färbte die Dachauer Erde rot-

heute siehst du nichts mehr im Sand.-

Still trugen sie dann seine Leiche fort, zwölftausend Mann atmeten schwer- es sprach nicht einer auch nur ein Wort, rot malte der Himmel die Wolken dort,

und zwölftausend Mann marschierten vom Ort- der Appellplatz war wieder leer.-

Seither, so oft eine Trommel ich hör,

höre ich den schaurigen Ton-

stets wird mir dann wieder so bang und schwer, zwölftausend Mann stehen rings um mich her

und ein Tag, der lang schon entflohn.-

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