Druckschrift 
Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
Seite
15
Einzelbild herunterladen

und er zerrt an dem Körper und schaukelt ihn,

freut sich, wenn ihn neue Schmerzen durchglühn­das heißt in Dachau : ,, Gericht".-

Wenn von den Händen die Stricke gelöst,

so sinken sie schlaff herab-

sie sind wie gestorben, nicht wie erlöst,

und man fühlt es nicht, wenn man an sie stößt- ganz fremd hängen sie herab.-

Zehntausende hingen am Marterpfahl,

zehntausend litten die gräßliche Qual,

zehntausend schrieen gequält wie ein Tier, Zehntausende haßten die Welt dafür...

-

die Welt? O nein, Deutschland haẞten sie nur, höhnten: ,, Das also ist Deutschlands Kultur?"- Und sie spieen hoch im Bogen aus

auf das, was einstens ihr Vaterhaus: auf Deutschland. -

DER TROMMLER

Die Trommel klingt dumpf- unheimlicher Ton- zwölftausend Mann still- lauschend stehn.-

Er schreitet daher, ein Schild voller Hohn

ist ihm auf dem Rücken zu sehn.

-

Er rührt mit unheimlich düsterem Schlag die Stöcke der Trommel, so groß-

es klingt, als sei sein Herz dunkel und zag in seinem so traurigen Los.-

15