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Kette der Tage : Gedichte aus Dachau / Kupfer-Koberwitz
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Zwölftausend Mann zum Appell wir stehn und in die steigende Sonne sehn,

Sonne so rot.-

Zwölftausend Mann zum Appelle stehn,

die alle ganz starr nach gradaus sehn, schweigend und stramm.

-

Keiner darf flüstern auch leis nur ein Wort,

Stille herrscht auf dem Platze-

es liest die SS den Tagesrapport, endend in einem Satze:

,, Elftausendneunhundertneunzig und drei

sind zum Appelle getreten-

zwölf Abgang durch Tod- und in Arbeit zwei- das Ganze: ,, Weggetreten!"

Zwölftausend Mann vom Appelle gehn,

die alle ganz starr nach gradaus sehn, singend und stramm.-

EINER

Siehst du den Mann dort schwankend stehn?-

so bleich ist sein Gesicht,

er schleppt sich hin, er kann kaum gehn- so mager hab ich nie gesehn

und elend ein Gesicht.-

Wir stehen stramm, die Mützen ab,

die Augen rechts gericht',

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