sei. Ich wollte ihnen, in ihr Elend hinein, zurufen: ,, Es gibt Menschen, Sozialisten, die den Zusammen­bruch, die Elend und Not voraussahen, die dagegen gekämpft haben, die dagegen kämpfen werden. Wir stehen am Ende. Aber hinter diesem Ende gibt es einen Anfang!" Es drängte mich, ihnen von meiner fiebernden Lebensfreude zu erzählen.

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Ich wußte, dies wäre der einzige Trost für sie. Die Sehnsucht zu sprechen verbrannte mich fast. es kam mir wie Ver­Aber ich sprach nicht rat vor. Und trotzdem schwieg ich. Denn ich wollte leben. Sprechen aber bedeutete Gefahr. Ich wollte noch etwas leisten: darum setzte ich mich keiner So war es in Nazi­unnützen Gefahr aus. deutschland ! Noch angesichts des Todes mußte man vorsichtig sein und schweigen.

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Draußen war es hell geworden. Es war Zeit. Eine leuchtende Sonne stieg über Rauch und Qualm empor. Die Luft prickelte, sie war kalt und klar und doch voll Frühlingsahnung.

Vor dem Bunker lag ein alter Mann. Lebte er? War er tot? Er war ein schmutziger, formloser, blu­tiger Haufen, auch das Gesicht.

Ich ging mit großen Schritten. Ich fühlte die herrliche Bewegung in freier Luft. Ich genoß die funkelnde Sonne. Die Luft war brandgeschwängert und trotzdem von unendlicher Frische.

Glanzlos, verloren waren die tanzenden Flammen im Sonnenlicht. Die Sonne war millionenfach stär­ker als sie.

Ich schritt aus, Jubel durchschüttelte mich: trotz alledem.

Es kamen bewegte Wochen und Monate. Ich sah ein armes, gequältes, hilfloses Volk auf der Flucht

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