Ich finde einen Erdbunker. Ich gehe hinein, mich auszuruhen.
Ein Soldat geht durch den Bunker: ,, So leben wir im freien Deutschland Adolf Hitlers !" Höhnisch sagt er es. Schwerverwundete Soldaten liegen in diesem Bunker, auf schmalen, harten Holzbänken. Hin und wieder hörte man ein unterdrücktes Stöhnen.
Ich setzte mich auf eine Bank. Der Kopf des Verwundeten, der dort lag, rutschte ab. Ich bemühte mich, sein Kissen zurechtzulegen. Der Kopf fand keinen Halt. Da legte ich ihn in meinen Schoß. So saßen wir schweigend, nur manchmal stöhnte der
Mann.
Eine alte Frau jammerte. Der Rauch brannte ihr in den Augen. Ihre Handtasche hatte sie verloren. Sie sah nur Schatten. Sie klagte über ihre Wohnung, über alles, was sie verloren hatte.
Das Jammern der Frau belästigte. Zu ihr, zu dem Mann in meinem Schoße, zu mir selbst sagte ich: ,, Der Mensch ist zäh wie eine Katze, unglaublich zäh."
Der Verwundete lächelte, er nahm meine Hand. Ein tiefes Einvernehmen war zwischen uns. Er stand zwischen Leben und Tod. Er wollte leben. Mein Lebenswille machte ihn zuversichtlich.
Auch zwischen mir und den anderen Verwundeten war ein merkwürdiges, selbstverständliches Verstehen.
Der eine bat um diesen, der andere um jenen Dienst. Hier legte ich eine Decke fester um, dort stopfte ich etwas unter, damit das Lager ein wenig weicher wurde. Einem anderen wickelte ich die Füße ein.
In mir brannte wie Feuer der Wunsch, mit diesen Menschen zu sprechen, ihnen zu sagen, daß ich in dieser Nacht aus dem Konzentrationslager geflohen
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