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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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Eine halbe Stunde später

Pim gesprochen, der bei den Amerikanern gewesen ist und mir zuflüsterte, die SS- Division Wiking versuche, nicht nur die Stadt Dachau , sondern auch das Lager zurückzuerobern. Wenn ihnen das gelingt, bleibt keiner von uns am Leben; dann würde ihre Wut und Rachsucht alle Grenzen überschrei­ten, ihre Roheit und Grausamkeit Triumphe feiern!

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Jetzt da der Tod uns aufs neue bedroht- begreife ich erst rich­tig, daß wir dem Leben zurückgegeben wurden, daß wir frei sind!

2 Uhr nachts

Die Amerikaner scheinen sehr ruhig und sicher zu sein, fest davon überzeugt, daß sie die Situation beherrschen.

Doch das Schießen hört nicht auf.

3 Uhr nachts

Ich habe mich an den Tisch gesetzt.

Das Licht in der Stube brennt.

Gewehr- und Maschinenpistolenschüsse aus der Nähe der Plan­tage.

Wieder und immer wieder...

Die meisten hier wissen glücklicherweise nicht, was sich da draußen abspielt. Sie schlafen und träumen

und vom Nach- Hause- Kommen.

Hören sie die Schüsse nicht?

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- von Freiheit

Fürchten sie nicht, daß die SS doch noch eines der letzten Bom­benflugzeuge auf unser Lager jagen könnte?

Ich will versuchen, das Schießen nicht zu hören- will es nicht hören.

Ich will Herr meiner Nerven bleiben

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nun mehr denn je!

Holte mir aus meinem Schränkchen die letzte, sorgfältig ,, für alle Fälle" aufbewahrte Aspirintablette und bekam dabei war es ein Zufall?- wieder Goethes ,, Egmont " in die Hände.

E 20.070

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