2 Stunden später
Als ich ins Revier zurückkam, herrschte auch hier natürlich die größte Aufregung, und ich wurde mit Fragen bestürmt. Viele Kranke waren durch den Schock gestorben, andere wollten und konnten es einfach nicht glauben, bis D. sich entschloß, einen ,, lebenden" Amerikaner zu holen und ihn in unsere Stube zu bringen.
Als der dann hereinkam, breit, stark und wohlgenährt, das Gesicht von der Sonne verbrannt und von Gesundheit strotzend, glich er einer Erscheinung aus einer anderen Welt! Alle wollten sie ihm danken; jeder ihm die Hand drücken; aus allen Betten streckten sich ihm magere Arme und zitternde Hände entgegen- aus allen drei übereinander liegenden Bettreihen, und von allen vier Seiten...
Er stand mitten in der Stube, sehr verlegen und linkisch, nur mühsam seine Rührung verbergend und kaum imstande, seine Tränen zurückzuhalten.
Dann legte er kurz entschlossen seine Maschinenpistole auf den Tisch und ging von Bett zu Bett, um jeden einzelnen der Kranken zu umarmen. Er tat es sehr vorsichtig und sacht, als ob er befürchtete, er könne diese zerbrechlichen Körper mit seinen starken Armen zerdrücken.
Der Franzose im zweiten Bett rechts war gerade fünf Minuten vorher gestorben, aber der Amerikaner umarmte auch ihn, entdeckte dann plötzlich, daß der Franzose tot war und schüttelte all das noch nicht begreifend- erschrocken den Kopf.
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Nachts 1 Uhr
Die wenigen überlebenden Juden aus den Vieh- und Güterwagen befreit und in meist erbärmlichem Zustand
Revier geschafft.
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Soeben beginnt das Schießen in der Nähe des Lagers!
ins
Nicht nur Maschinenpistolenfeuer, sondern auch Kanonendonner.
Was geschieht da?
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