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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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Nachmittags 2 Uhr

Um zwölf Uhr mußten alle Juden- ungefähr zweitausend­zweihundert Mann auf dem Appellplatz antreten.

,, Mit Gepäck".

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Das bedeutet Evakuierung

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und sie beginnen also mit den

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Juden. Ich habe versucht, sie zu beruhigen daß die Amerikaner jeden Augenblick kommen können, und daß ,, sie" ja auch gar keine Waggons mehr hätten, um die Evakuierung durch­zuführen und so weiter. Einige glaubten mir, wollten mir glau­ben, um sich selber Mut zu machen.

I Aber H.( der bis jetzt im Laboratorium gearbeitet hat) war fest davon überzeugt, daß man die Juden umbringen würde- er wußte nur noch nicht, auf welche Weise. Ich sagte, sie wür­den doch noch mit dem Leben davon kommen.

,, Das haben viereinhalb Millionen Juden vor mir auch ge­dacht", sagte er sachlich, und ich wußte ihm darauf nichts zu antworten, denn er hatte natürlich recht. ,, Ihr kommt nach Innsbruck ", sagte ich dann noch eigentlich nur, um etwas

zu sagen.

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, Vielleicht, aber dann via Himmel", antwortete er.

Abends 9 Uhr.

Die Juden stehen noch immer auf dem Appellplatz. Sie wer­den nun aber durch SS bewacht, so daß ich nicht mehr zu ihnen gehen kann.

Ruppert und Bach kontrollieren gerade die Lagerpolizei. Sie werden also wohl heute nacht wegkommen.

Nachts

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Trotz des dauernden Luftalarms habe ich um mich etwas abzulenken in dem Briefwechsel zwischen Cosima Wagner und H. S. Chamberlain geblättert. Seit Jahren habe ich nichts gelesen, das so unsympathisch gewesen wäre. Besonders Co­

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